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Pop-Duo AlunaGeorge:Unser Ding

AlunaGeorge

Neue Pop-Hoffnung aus Großbritannien: das Duo AlunaGeorge.

(Foto: Universal Music)

Innovativ und hypeverdächtig: Das Londoner Duo AlunaGeorge führt eine Bande von Pop-Erneuerern an. Ihre Musik ist anspruchsvoll, doch dabei gut gelaunt wie ein Kindergeburtstag im Burgerrestaurant. Nun erscheint das Debütalbum "Body Music".

Von Paul-Philipp Hanske

Man will sie eigentlich nicht mehr hören, die Klagen darüber, wie trostlos es im deutschen Pop aussieht. All den Selbsthass, die Allgemeinplätze, die man mit Hinweisen auf bestimmte, besonders produktive Szenen ja leicht widerlegen kann: auf Techno, Krautrock und Ähnliches. Wenn man aber in diesen Tagen nach England blickt, kann man trotzdem neidisch werden. Denn der englische Pop führt im Sommer 2013 wieder einmal vor, was er - und nur er! - so gut kann. Nämlich aus einem enorm vitalen Underground Mainstream-Acts zu gebären, auf die sich fast alle einigen können. Und denen man vom ersten Takt an anhört, dass sie nur von der Insel kommen können.

Etwa AlunaGeorge, einem der heißesten Kandidaten für den Hype des Jahres. Das Londoner Duo, bestehend aus dem milchgesichtigen Beats-Programmierer George Reid und der glamourösen Sängerin Aluna Francis, veröffentlicht nun sein Debütalbum "Body Music" - und folgt damit scheinbar einer Mode, die nicht mehr ganz frisch ist: der popkulturellen Aufwertung der R'n'B-Musik. Stand die noch vor wenigen Jahren für totproduzierten Schmuse-Soulsound und versatzstückhafte Intimlyrik (weshalb sie Pflichtübung in jeder TV-Castingshow war), wurde sie von US-Künstlern wie Frank Ocean, The Weeknd oder Drake zuletzt gegen den Strich gebürstet.

AlunaGeorge partizipieren an diesem Trend - aber nur insofern, als Sängerin Aluna Francis mit fast unheimlich süßer Kinderstimme von Liebesdingen singt ("Your body is like music, I wanna play it again"). Mit dem Distinktionsgebaren der amerikanischen Acts, die der schmachtenden Harmlosigkeit des Mainstream-R'n'B düstere Sounds und irritierende Texte entgegensetzen, hat das Londoner Duo nichts am Hut. Ihre Musik ist gut gelaunt wie ein Kindergeburtstag im Burgerrestaurant.

Das eigentlich Interessante aber ist, was mit dem Genre R'n'B beim Transfer ins System des englischen Pop passiert. Ein wichtiges Prinzip, das hier gilt: Es wird besonders viel Wert auf die Produktion gelegt, auf Klangdesign, die Arbeitsweise im Studio. Dafür gibt es geschichtliche Gründe, die unter anderem in der engen Anbindung Großbritanniens an die Karibik liegen. Schon in den 60er-Jahren wurde basslastiger Pop aus Jamaika in die Metropolen des Empire importiert und bildete in diesem urbanen Treibhaus schnell viele neue, später größtenteils elektronische Stile: vom britischen Dub über Hip-Hop-artige Spielarten wie Jungle und Grime, schnellen Drum'n'Bass oder 2Step bis hin zum dystopisch-futuristischen Gewaber von Dubstep oder dem weltmusikalischen UK Funky.

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