Alben der Woche Der Soundtrack für ein orientierungsloses England

Damon Albarn singt auf dem neuen Album von The Good, The Bad & The Queen gegen Nationalismus an. Die Smashing Pumpkins zeigen, dass sie noch immer etwas von sentimentalen Hymnen verstehen.

Smashing Pumpkins - "Shiny and Oh So Bright Vol 1/LP No Past, No Future, No Sun" (Napalm Records)

Es ist bekanntlich nicht so einfach mit dem Älterwerden als Rockband. Sogar wenn man für die letzte große Blüte der Rockmusik in den Neunzigern so wichtig war die Smashing Pumpkins. Damals bespielte das Quartett um den exzentrischen Sänger und Songwriter Billy Corgan einen breitwandigen Alternativraum zwischen Grunge-Szene in Seattle und den Hardcore-Bands. Und 2018? Was gibt es im Jahr des 30-jährigen Bandjubiläums noch zu tun? Wieder touren. Und ein neues Album aufnehmen. Zum ersten Mal seit 18 Jahren in der fragilen Konstellation von drei Gründungsmitgliedern (Corgan, Drummer Jimmy Chamberlin und Gitarrist James Iha; es fehlt nur Bassistin D'arcy Wretzky). Gemessen an all den anderen - meist mehr schlecht als recht - alternden Rockbands der vergangenen drei Dekaden ist die Platte mit dem viel zu langen Titel "Shiny and Oh So Bright Vol 1/LP No Past, No Future, No Sun" (Napalm Records) aber ganz gut. Oder besser: nicht schlecht. Besonders in den Momenten, in denen sie nicht so tun, als ob noch ein zweites "1979" oder "Zero" in ihnen steckt, sondern stattdessen dieser besonderen Pumpkins-Stimmung zwischen Melancholie und Theatralik aus 20 Jahren Abstand nachspüren. Etwa in "Silvery Sometimes (Ghosts)", einer zart-schaurigen und nur ein bisschen kitschigen Geisterbeschwörung. Oder "Knights Of Malta" mit seiner Classic-Rock-Opulenz aus Gitarrenriffs, Streichern und einem sich erhebenden Gospelchor. "We're gonna ride the rainbow", singt Corgan dazu. So eine sentimentale Hymne hat man ihm gar nicht mehr zugetraut. Von Annett Scheffel

Bild: Napalm Records 16. November 2018, 10:202018-11-16 10:20:58 © SZ.de/luch