Dirty Projectors - "Dirty Projectors" (Domino)

Der große amerikanische Indiepop-Avantgardist David Longstreth hat auf dem neuen selbstbetitelten Album seiner "Dirty Projectors" (Domino) das Unmögliche geschafft: Er hat tatsächlich den Indiepop mit dem R'n'B versöhnt, also einerseits mit Funk und Soul und andererseits mit tiefen und tiefsten elektronischen Stolper-Bässen, nervösen Klacker-Beats, schwer drückenden Synthie-Attacken und sonstigen seltsamen Sample-Schnipseln aller Art. Dazu gibt's feinstes Stümperpiano-Geklimper und Longstreths herzzerreißend elegisch-theatrale Stimme, mal ausführlich im Falsett, mal mit der Stimmhöhenmanipulations-Software Autotune humanoid verflattert. Aber jetzt kommt das Beste: So anstrengend eklektisch wie sich das liest, ist es eben genau nicht. Im Gegenteil. Besonders in Songs wie "Keep Your Name", "Death Spiral" oder "Up In Hudson" ist es eher ein unwiderstehlicher Pop-Rausch, in dem man gleichzeitig tieftraurig und sehr, sehr euphorisch sein darf. Musik für die Ewigkeit gerade eben jetzt. Abgesehen davon wurde die Zeile "The winner takes nothing" noch nie überzeugender vorgetragen als hier. Von Jens-Christian Rabe

22. Dezember 2017, 16:502017-12-22 16:50:15 © SZ.de/doer/biaz