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Pen-Pinter-Preis:Mekkin Histri

Seit Monaten protestiert die "Black Lives Matter"-Bewegung gegen rassistische Polizeigewalt. Der Musiker und Lyriker Linton Kwesi Johnson hat mit seinen Gedichten schon früh dagegen protestiert, dafür wird er mit dem Pen-Pinter-Preis ausgezeichnet.

Von Thilo Eggerbauer

Der Lyriker und Dub-Musiker Linton Kwesi Johnson wird mit dem Pen Pinter Prize ausgezeichnet - eine Ehrung, die sehr gut in diese Zeit passt. Seit Monaten protestiert die "Black Lives Matter"-Bewegung gegen rassistische Polizeigewalt, ein Thema, das Johnson schon in den frühen Tagen seiner Karriere beschäftigte: "how lang yu really tink / wi woulda tek yu batn lick / yu jackboot kick / yu dutty bag a tricks / an yu racist pallyticks" - Wie lange hätten Sie gedacht, dass wir es länger hinnehmen würden: die Schläge mit dem Schlagstock, die Tritte mit den schweren Stiefeln, die dreckigen Spielchen und die rassistische Politik? So fragt Johnson den Polizeisprecher in seinem Gedicht "Mekkin Histri", das er als Reaktion auf die Aufstände in Bristol Anfang der 80er Jahre verfasste.

Zeilen wie diese sind der Grund für seine Auszeichnung: "Seine mächtigen Worte und seine Leidenschaft haben mich und viele andere angeleitet, die Dinge immer zu hinterfragen und gegen den Status Quo anzukämpfen", sagte die Herausgeberin und diesjährige Preisrichterin Sharmaine Lovegrove der Zeitung The Guardian. Der Preis wird vom englischen Schriftstellerverband PEN vergeben und ist nach dem Literaturnobelpreisträger Harold Pinter benannt. Frühere Preisträger sind unter anderem Lemn Sissay, Chimamanda Ngozi Adichie und Margaret Atwood.

Linton Kwesi Johnson wurde 1952 im ländlichen Jamaika geboren und zog 1963 nach London. Schon als Teenager trat er der Black-Panther-Bewegung bei. Seine erste Gedichtsammlung "Voices oft he Liiving and the Dead" erschien 1974. Mit seinem ersten Album "Dread Beat an'Blood" von 78 begründete er das Genre "Dub Poetry". Seine radikalen politischen Texte rezitiert er in gesprochener Form über sphärische Reggae-Beats. Johnson wird seinen Preis in einer digitalen Zeremonie am 12. Oktober entgegennehmen. Er wird dann auch seine Wahl für den "international writer of courage" bekannt geben, diese Auszeichnung soll an eine Person gehen, die die Gedankenfreiheit verteidigt und dabei häufig die eigene Sicherheit riskiert.

© SZ vom 10.07.2020

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