Papst-Karikatur aus Kondomen Gläubiges Gummibärchen

Sieht fromm aus, besteht aber aus Kondomen: Niki Johnsons Benedikt.

(Foto: Niki Johnson/dpa)

Aus Kondomen hat eine Künstlerin ein Porträt von Benedikt XVI. geschaffen - und Kritik geerntet. Dabei war die Polemik gegen den Papst früher viel derber.

Von Bernd Graff

Wisconsin, der US-amerikanische Bundesstaat an den Gestaden des Michigansees im Norden des Landes, hat eine ziemlich große katholische Gemeinde. Diesem Umstand ist es wohl vor allem geschuldet, dass die Aufregung dort gerade groß ist. Denn das Milwaukee Art Museum, an der Seeufer-Promenade einer der größten Städte Wisconsins gelegen, hat gerade ein Porträt des emeritierten Papstes Benedikt XVI. erstanden und prominent ausgestellt, das ganz aus bunten Kondomen gefertigt ist.

Urheberin des Werkes im Stile des fotografischen Realismus, das auf den ersten Blick jedoch wie eine dieser frommen Stickereien in ungebrochenen Primärfarben aussieht, die man für wenig Geld an Wallfahrtsorten erstehen kann, ist die Künstlerin Niki Johnson. Sie hat 17 000 Kondome aufgewendet, um einen freudestrahlenden Joseph Ratzinger nach einem Foto vom Tag seiner Wahl zu fertigen. So platt das Porträt ist, so plastisch ist nun der Furor darüber: Milwaukees Erzbischof Listecki nannte die Entscheidung des Museums zu Ankauf und Ausstellung "beleidigend und rücksichtslos", einige der privaten Förderer haben dem Museum die Unterstützung entzogen, in mehr als 200 Beschwerden sprechen Besucher von Blasphemie und fehlendem Respekt.

Der harmloseste Vorwurf: Wenn Johnson den Propheten der Muslime oder den ranghohen Vertreter einer anderen Weltreligion so porträtiert hätte, dann hätte das Museum von einem Ankauf aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle dieser Gläubigen wohl abgesehen.

Der Museumsvorstand versucht nun abzuwiegeln, man habe bloß eine Diskussion über Aids anstoßen wollen. Und Niki Johnson arbeitet vorerst mit Kondomen weiter, nachdem man ihr gleich 26 Paletten davon mit einem Gesamtgewicht von 10 000 Kilogramm geschenkt hatte, deren Verfallsdatum abgelaufen war. Johnson fertigt in unterschiedlichen Stilen ihre Arbeiten nach dem Motto: Es zu tragen, ist nur der Anfang. Trotzdem sollte man sich noch einmal vor Augen führen, dass zum Papst seit je die Karikatur gehört wie das Amen in der Kirche.

Nicht erst seit Maurizio Cattelan 1999 eine Skulptur des von einem Meteoriten erschlagenen Johannes Paul II. ausstellte, gibt es Papst-Schmähungen in der Kunst. 1953 malte Francis Bacon einen von Angst gequälten, schreienden Innozenz X. nach einem Velázquez-Porträt dieses Papstes: ein Bild reinsten Horrors. Karikatur und allegorische Überzeichnung des Papstes sind keine Themenerfindungen der Moderne. Lucas Cranach der Ältere zeigte 1522 den Papst als "Untier aus dem Abgrund", ein Drache mit Krone. Sein "Papstesel" mit Schuppenhaut, Brüsten, Kralle und Teufelsfuß symbolisiert den Verfall des Papsttums. Hans Sebald Beham zeichnete 1524 die "Höllenfahrt des Papstes". Mitte des 16. Jahrhunderts rüstete die glaubensverfeindete Christenheit bildpolemisch gegeneinander auf: Der Papst als Teufel, Schwein, Hurenbock - alles sehr explizit. Dagegen ist der knallbunte Kondompapst von heute ein Gummibärchen.