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Obama-Wahlkampfplakat:Was darf die Kunst?

Der Künstler Shepard Fairey verhalf mit seinem Plakat Obama zum Pop-Star-Image. Nun soll ein Gericht prüfen, ob das Bild geklaut ist.

Viel wurde über die kulturelle Bedeutung von Barack Obama schon gesagt. Als "Hip-Hop-Präsident" gilt er sogar. Das hat er nun in dem Sinne eingelöst, dass er die große Frage, was Kunst eigentlich darf, ins Weiße Haus getragen hat. Für seine Wahlkampfplakate engagierte er den Straßenkünstler und Grafiker Shepard Fairey. Und weil der nach der Hip-Hop-Methode arbeitet, vorhandenes Material neu aufzumischen, stellt sich da nun die Frage, was Kunst eigentlich darf. Solange das eine Frage von Subkultur war, wurde sie meist gegen die Künstler entschieden. Ein Streit um Obamas bekannteste Wahlkampfplakate stellt die Frage nun aber auf höchster Ebene.

Mit diesem Plakat von Shepard Fairey bestritt Obama seinen Wahlkampf.

(Foto: Foto: ap)

Im amerikanischen Wahlkampf des letzten Jahres gab es kaum ein Bild, das so im Gedächtnis blieb wie die Porträts des Kandidaten Obama, die durch das Überbelichtungsverfahren des Solarisierens zum schemenhaften Popmotiv reduziert wurden. Als Plakat, Aufkleber und schließlich als Titelbild des Nachrichtenmagazins Time stilisierten die Grafiken das Gesicht des Kandidaten zum Markenzeichen. Von dem Motiv mit dem Wort "Hope" unter Obamas Bild verkaufte sein Büro eine halbe Million Poster, um damit die Wahlkampfkasse aufzubessern. Doch da gibt es ein Problem. Das Bild war geklaut. Das sagt zumindest die Fotografin Mannie Garcia, die das Foto geschossen hat, das den Plakaten als Vorlage diente. Das war bei einem Dinner des National Press Club im Jahr 2006.

Shepard Fairey ist in den USA eine prominente Figur. Der ehemalige Skateboardkünstler feiert dieses Jahr seinen Einzug in den Kanon der zeitgenössischen Kunst. Das Institute of Contemporary Art ICA in Boston widmet ihm derzeit seine erste Museumsretrospektive (bis zum 16. August, Info: www.icaboston.org). Dazu erschien gerade seine Monografie "Obey" in einer erweiterten Neuauflage ("Obey: Supply & Demand, The Art Of Shepard Fairey", Gingko Press, San Francisco 2009. 446 Seiten, 49,90 Euro). Und das umstrittene Obamaporträt wurde im Januar von der National Portrait Gallery in Washington erworben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Fairey für seine Generation wichtig ist.

Inoffizielle Obama-Poster

Barack - die Pop-Ikone