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New York:Brooklyn feiert in Violett

Director Spike Lee dances at a street party he hosted called 'PRINCE We Love You Shockadelica Joint' to celebrate the life and music of deceased musician Prince in the Brooklyn borough of New York, U.S.

Spike Lee, im lila Pullover, bei einer Spontan-Party zu Ehren von Prince.

(Foto: REUTERS)

New York zelebriert Prince: Regisseur Spike Lee lädt per Instagram zu einer Spontan-Party. Einzige Bitte: Die Kleidung sollte dem Anlass angepasst werden.

Kaum war bestätigt, dass Prince gestorben ist, diese Ikone der (schwarzen) Musik, spielte New York auf besondere Art verrückt. "Der Polizist an der Ecke hat angeboten, für mich den Joint zu rollen", hörte ich später einen Mann sagen. Diese Art von verrückt zum Beispiel. (In New York ist es erlaubt, Marihuana für "medizinische Zwecke" zu konsumieren).

Nicht, dass Prince in dieser Stadt geboren wäre, er kam in Minneapolis zur Welt. Aber das ist New York, wie sie hier betonen, und Prince hat so viele Menschen, Musikrichtungen und Lebensstile geprägt, die für New York überlebenswichtig sind (R&B, Rap, Queerness ), dass die Menschen in dieser Stadt reagieren mussten. Die U-Bahn-Haltestelle Prince St. in Manhatten wurde dem Namen angepasst. Das Apollo Theater in Harlem zollte ebenfalls Tribut.

Feiern in Violett

People dance at a street party hosted by director Spike Lee called 'PRINCE We Love You Shockadelica Joint' to celebrate the life and music of deceased musician Prince in the Brooklyn borough of New York, U.S.

Euphorie gemischt mit Trauer: Tanzende New Yorker Fans feiern den Ausnahmekünstler Prince.

(Foto: REUTERS)

Ein paar Stunden später, noch war es hell, twitterten die ersten Menschen, dass es Partys geben würde: Questlove, der seinerseits legendäre Schlagzeuger der Band The Roots, tritt als Stammgast in einer Brooklyner Bar auf. An diesem Abend will er gemeinsam mit einer anderen Legende, Talib Kweli, gemeinsam auflegen. Ein regulärer Abend in dieser Stadt, nicht wirklich auffällig. Mit der Nachricht, dass Prince gestorben ist: augenblicklich ausverkauft.

Der Regisseur Spike Lee ("Malcolm X", "Fight the Power", "Hip Hop Hooray" und das Prince-Video zu "Money don't Matter 2 Night") kündigte über seinen Instagram-Account an, dass auch in seiner Straße eine Feier stattfinden würde. Einzige Bitte: Hauptsache die Feiernden kommen in der Farbe Violett.

Das Studio von Lee ist in Fort Greene, ganz in der Nähe des Barclay Centers. Die Gegend ist normalerweise ruhiger. Wenn man die Ohren auf Durchzug stellt, überhört man hier manchmal den Lärm der Atlantic Avenue, die quer durch Brooklyn läuft und dröhnt. Nun wird die Nachbarschaft beschallt. Die Polizei hat die Straße abgesperrt - alle sollen mitsingen.

5000 Menschen sollen gekommen sein, sagt Lee. Es ist ein Konzert. Gedränge, Gegröle, Menschen, die Smartphones in die Luft halten. Fotos und Videos finden sich später auf Instagram, Twitter und Snapchat wieder. Jeder Song (Little Red Corvette, 1999, Kiss, When Doves Cry) führt erst zu Jubelschreien, dann zu Chorgesängen. Eine Frau zieht ihr Smartphone aus der Tasche, beginnt mit dem Filmen und sagt im Scherz zur Person nebenan: "Wehe, du kannst den Text nicht." Als diese Person mitsingt, flippen beide aus vor Freude - Umarmungen. Hauptsache Prince.

Die Kamerateams kommen zu spät, die Hits sind bereits gespielt. Aber hey, drücken wir einfach die Replay-Taste und feiern weiter. Little Red Corvette, 1999, Kiss, When Doves Cry.

Nach ein paar Stunden drängt die Polizei schließlich darauf, den Abend aufzulösen. Klar, auch diese Grenze wird überschritten, auch wenn es nur zehn Minuten sind. Der letzte Song, der gespielt wird, ist Purple Rain. Als die Musik verstummt, summt die Menge einfach ein paar Takte weiter.

100 Meter und fünf Minuten später, fragt ein Mann die Menge, die ihm entgegenkommt: "Kommt ihr gerade vom Prince-Konzert?" Nein, nun ist es vorbei.

© SZ.de/olkl/holz
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