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Neue Filme in Kürze:Die Starts der Woche

Disneys zweites "Maleficent"-Märchen enttäuscht, und weitere Filme der Woche im Überblick unserer Kurzrezensionen.

Die Starts ab 17. Oktober auf einen Blick, bewertet von den SZ-Kritikern. Rezensionen ausgewählter Filme folgen.

After The Wedding

Martina Knoben: Auf ein Hollywood-Remake von Susanne Biers "Nach der Hochzeit" (2006) hat wohl niemand (mehr) gewartet. Bart Freundlich hat es dennoch inszeniert, mit seiner Frau Julianne Moore in einer Hauptrolle. Sie spielt eine New Yorker Medienunternehmerin, die die Leiterin eines indischen Waisenhauses (Michelle Williams) mit der Aussicht auf eine Riesenspende nach New York lockt. Es folgen abenteuerliche Enthüllungen, die einen jedoch merkwürdig kaltlassen, ebenso wie das eigentlich interessante Gedankenexperiment, was mehr zählt, Familie oder idealistisches Engagement. Die großen Fragen wirken hier nur wie ein Vorwand: für exquisite Ausstattungen und Starperformances, beides Luxusgüter.

Born in Evin

Susan Vahabzadeh: Gibt es Erinnerungen, von denen man nichts weiß? Die Schauspielerin Maryam Zaree kam in einem berüchtigten Gefängnis in Iran zur Welt, ihre Eltern saßen dort als politische Gefängnisse ein. Als Erwachsene macht sie nun auf die Suche nach den Spuren, die diese Zeit vielleicht in ihrem Leben hinterlassen hat. Sie findet dann sehr viel heraus über den Unterschied zwischen Geschichte und Familiengeschichte und darüber, dass es Erinnerungen gibt, die bewahrt werden müssen, obwohl man lieber vergessen würde.

Das Geheimnis des grünen Hügels

Doris Kuhn: Baden im Teich, Lagerfeuer machen, manchmal Fremden hinterherschleichen. Čejen Černić hat einen kroatischen Kinderbuchklassiker von 1956 verfilmt, in dem eine Bande von Freunden sich die Sommerferien mit Detektivarbeit vertreibt, weil sich in ihrem Dorf die Einbrüche häufen. Spannend erzählt er von wundersam altmodischen Zeiten - es gibt keine Handys, dafür gibt es ungewohnt tragische Momente am Schluss.

Ich war noch niemals in New York

David Steinitz: Stünde der Mensch vor zwei Türen, von denen die linke in ein Udo-Jürgens-Musical und die rechte in einen IS-Folterkeller führte - es gäbe vermutlich Personen, deren Überlebensinstinkt zumindest kurz schreien würde: rechts! Aber alle Sorgen sind unberechtigt, weil der Regisseur Philipp Stölzl und seine Schauspieler (Heike Makatsch, Katharina Thalbach, Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht) das Genre Musicalkomödie so behandeln, wie es sich im Idealfall gehört: mit dem nötigen Ernst.

Die Insel der hungrigen Geister

Doris Kuhn: Rigoros kasernierte Flüchtlinge, bei denen die Hilfe einer Therapeutin meist zu spät kommt. Chinesische Einwanderer, die sich um die Seelen ihrer Toten sorgen. Rote Landkrabben, die jährlich einen Marsch zum Ozean antreten, von Naturfreunden begleitet. Solche Eigenarten der Weihnachtsinsel werden von Gabrielle Brady nebeneinandergesetzt und unkommentiert beobachtet, wodurch ihre Dokumentation allmählich das unterschiedliche Verständnis von Schutz oder von Beschützen illustriert.

Das Kapital im 21. Jahrhundert

Susan Vahabzadeh: Es ist schon ziemlich erstaunlich, wenn ein Ökonom über die historische Verteilung des Kapitals und die Folgen der Ungleichheit für die heutige Gesellschaft schreibt und das Buch dann ein Bestseller wird. So ist es dem französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty im Jahr 2013 ergangen. Jetzt hat er zusammen mit dem Regisseur Justin Pemberton selbst eine Filmfassung seines Werks erarbeitet, die einen Überblick über seine Thesen verschafft. Die filmische Umsetzung ist manchmal ein wenig bemüht, aber ein guter Crash-Grundkurs zu Pikettys Erkenntnissen ist der Film allemal.

Lino - Ein voll verkatertes Abenteuer

Ana Maria Michel: In einem hässlichen Katzenkostüm tritt Lino bei Kinderpartys auf, wo er jedes Mal drangsaliert wird. Als er dann auch noch aus seiner Wohnung fliegt, will der Pechvogel sein Leben dringend verändern. Ein Zauber soll helfen, doch auch der geht schief: Lino wird in einen Kater verwandelt (). Als solcher flieht er im Animationsfilm des brasilianischen Regisseurs Rafael Ribas zusammen mit einem Baby und einem Quacksalber vor der Polizei. Das ergibt ein durchaus amüsantes Abenteuer, in dem es pausenlos drunter und drüber geht.

Maleficent: Mächte der Finsternis

Nora Voit: Die aus Dornröschen bekannte böse Fee Maleficent (bestechend düster und zugleich mütterlich-warm: Angelina Jolie) darf im neuen Disney-Fantasy-Film zum zweiten Mal ihre eigene Geschichte spinnen. Unter der Regie des Norwegers Joachim Rønning ("Fluch der Karibik 5") poltert sie erst gegen die bevorstehende Hochzeit ihrer Ziehtochter, legt sich dann mit deren intriganter Schwiegermutter (Michelle Pfeiffer) an und soll zuletzt noch kurz die Welt retten. Nach zwei Stunden aufgeblasenem CGI-Spektakel um eine Horde unbeseelter Fabelwesen reibt man sich die Augen und stellt fest: Manche Märchen bleiben besser unerzählt.

Nevrland

Juliane Liebert: In diesem Film werden viele Schweine in zwei Hälften gesägt und das mit Bildern von Pornos gegengeschnitten, damit will Gregor Schmidinger zeigen, wie sich eine Angststörung anfühlt. Der Protagonist (der aussieht wie ein Model) hat nämlich eine, weil er in einer Schlachterei arbeitet. Deswegen geht er in Therapie. Die hilft nicht, aber dafür lernt er einen jungen Künstler kennen (der auch aussieht wie ein Model). Sie gehen in Technoclubs, nehmen Drogen und sehen ästhetisch aus. Beide haben Angst. Beide reden nicht viel. Aber schönen Menschen beim Leiden zusehen macht deutlich mehr Spaß als hässlichen Menschen beim Leiden zusehen, insofern: Alles super.

Parasite

Tobias Kniebe: In dem südkoreanischen Regisseur Bong Joon-ho steckt ein echter Klassenkämpfer, was man sehr blutig zum Beispiel in "Snowpiercer" sehen konnte. Hier geht es subtiler und realistischer zu, als sich die Leben zweier Familien in Seoul miteinander verstricken. Die reichen Parks suchen Hilfe, mit Englischstunden für die Tochter fängt es an, und die armen Kims erschleichen sich nicht nur diesen Job, sie nisten sich in dem luftig-modernistischen Traumhaus in den Hügeln praktisch ein. Die tragikomischen, stets überraschenden Intrigen zwischen Knechten und Herren, aber auch Knechten und Knechten wurden in Cannes sehr zu Recht mit der Goldenen Palme gefeiert.