Nachruf:Zum Tod von Ulf Nilsson

Lesezeit: 2 min

Ulf Nilsson

Ulf Nilsson im August 2014 in seiner Wohnung in Stockholm.

(Foto: Siggi Seuß)

Von Ute Wegmann

Ulf Nilsson wollte nur über "Wichtiges" schreiben und das so kurz wie möglich und so kraftvoll wie möglich. Das ist ihm gelungen: mit Qualität, Leichtigkeit und Humor. Sein Werk umfasst etwa 140 Bilder- und Kinderbücher. Seine Themen erreichen das junge Publikum ebenso wie die Vorlesenden: Einsamkeit, Freundschaft, Demenz, Sorgen, Ängste, Verlust. Meist sind es anthropomorphisierte heimische Tiere wie Meerschweinchen, Mäuse oder Kröten, die im Alltäglichen eine besondere Geschichte erleben. Ulf Nilsson schrieb keine leichten Happy Ends, aber die Geschichten sollten hoffnungsvoll ausgehen: Er wollte Kinder stärken und trösten. Und den Trost brauchen sie vor allem, wenn es um den Tod geht. Für Ulf Nilsson gehörte er zum Leben und es gelang ihm, mit großer Selbstverständlichkeit für Kinder darüber zu schreiben. "Adieu, Herr Muffin" heißt eins seiner ersten Bilderbücher, in dem ein Meerschweinchen auf sein Leben zurückblickt. Eins seiner erfolgreichsten Kinderbücher trägt den Titel "Die besten Beerdigungen der Welt", hier kümmern sich drei Kinder um tote Tiere. Wer dichtet, "Leb wohl, du liebes Schweinchen Dick. Wir wünschen dir im Tod viel Glück" kann nur jemand sein, der den Tod nicht als Bedrohung empfindet. Ulf Nilsson, geboren 1948 in Helsingborg, war anfangs Journalist und Dramaturg, seit 1978 wandte er sich dem Kinderbuch zu. Er hat eine große Familie, fünf Kinder und viele Enkel. Ulf Nilsson begegnete Kindern voller Respekt, auch weil er sich sehr genau an seine Kindheit mit allen Ängsten erinnerte, und davon erzählte er. Wichtige Bücher hat er hinterlassen, in denen Werte des Zusammenhalts und des Respekts, der Toleranz und des liebevollen Miteinanders gelebt werden. Angesehene Preise - Augustpreis, Astrid-Lindgren-Preis, Nominierungen für den DJLP, "Die besten 7"- hat er gewonnen. Er war ein Mensch voller Wohlwollen, der sein Leben reich und spannend fand, denn er besaß die Fähigkeit, im Kleinen Großes zu entdecken. Auf Lesungen hingen die Kinder an seinen Lippen, wenn er mit schwedischem Akzent erzählte, dass ihm die besten Ideen morgens beim Schokoladeessen im Bett kommen, ein Kissen auf dem Kopf. Er hatte einen wunderbaren Humor, und so behalten wir ihn in Erinnerung: zugewandt und heiter.

In dem Kinderbuch "Die besten Beerdigungen der Welt" heißt es am Ende: "Das Leben ist lang und kurz ist der Tod ... Alles wird still." Ulf Nilsson starb am 22. September in Stockholm. Wir trauern um einen wunderbaren Menschen und einen großartigen Schriftsteller.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB