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Nachruf:Schwarzes Karo

William McIlvanney, 1936 geboren, arbeitete als Lehrer, Autor und Kommentator von Spielen der schottischen Fußball-Nationalmannschaft.

(Foto: Iain McLean)

William McIlvanney galt als Godfather des schottischen Kriminalromans. Jetzt ist er 79-jährig in Glasgow gestorben.

Von Bernd Graff

Das englische Wort "Godfather" ist schnöde mit "Der Pate" übersetzt, aber es besagt im Englischen ja noch viel mehr. Godfather ist so etwas wie der unbewegte Beweger in seinem Metier, ein Lenker der Geschicke, der Stichwortgeber, das Vorbild und - vor allem - derjenige, der unerreicht ist und bleibt, in dem, was er tut und am besten kann. William McIlvanney, der schottische Schriftsteller, der jetzt im Alter von 79 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben ist, trug solch einen durchaus und unbedingt als Ehrentitel begriffenen Beinamen: Godfather des schwarzen Schottenkaros.

Der gefeierte Autor, Sohn eines Minenarbeiters, geboren im schottischen Kilmarnock, war Jahrzehnte lang Englischlehrer gewesen, bevor er Mitte der Siebzigerjahre beschloss, diesen Brotberuf für die Literatur aufzugeben. Da hatte er schon für seinen ersten Roman "Remedy is None", der Mitte der Sechziger erschien, den "Geoffrey Faber Memorial"-Literaturpreis erhalten. Doch einem breiteren Publikum wurde er erst mit "Laidlaw", einem Glasgow-Krimi mit stark nihilistisch-existenzialistischem Einschlag bekannt. Titelgebender Held ist ein Kommissar, der in der Demimonde Glasgows ermitteln muss und dazu bestens ausgestattet ist mit klassisch philologischem Wissen, persönlichen Ängsten und massiven Eheproblemen. Dieser lakonische Ermittlungsphilosoph Jack Laidlaw, der bei Camus und Kierkegaard Trost suchte, geriet seinem Autor so ausgezeichnet, dass er noch in zwei weiteren Folge-Bänden ein wenig Licht in die dunkelsten Ecken Glasgows bringen durfte.

William McIlvanney, der mit einem fast aristokratisch zu nennenden Gentleman-Gesicht und den blauesten Augen vor Daniel Craig gesegnet war, blieb zeit seines Lebens sozialistischen Idealen treu. Er verabscheute den Thatcherismus der Achtzigerjahre und resignierte fast angesichts des neo-liberalen Pragmatismus eines Tony Blair. Noch im letzten Jahr machte er sich vehement für die Unabhängigkeit Schottlands stark, die er als notwendig für einen Neubeginn und den Weg zu einem sozial gerechteren Staat erachtete. So ist wohl auch dem britischen Guardian zuzustimmen, der in seinem Nachruf auf den gefeierten Autor den Nimbus des "Godfathers" dann auch wieder ein wenig einnordet. Denn man unterschätze "Willie", wie ihn seine Freunde nannten, wenn man ihn bloß in eine Ecke mit so ausgekochten US-Krimi-Autoren wie Chandler und Hammett stelle. Seine intellektuellen Vorbilder seien vielmehr europäisch, Zola, Gogol, Dostojewski etwa. Gebildet und engagiert wie sie war er allemal. So stimmt wohl beides: William McIlvanney war der Übervater seines Genres, äußerst geschätzt und geachtet für das, was er schrieb und tat.

© SZ vom 08.12.2015

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