Nachruf Schauspieler Michael Nyqvist gestorben

"Wenn sich ein Schuft von seiner netten Seite zeigt, sind die Zuschauer sofort von ihm hingerissen." Michael Nyqvist war auf das Böse gebucht - und gab ihm Humor.

(Foto: Michael Buckner/Getty Images)

Der Schwede wurde als obsessiver Reporter in der "Millenium"-Trilogie bekannt - und scheute auch vor keiner Schurkenrolle zurück.

Von Jakob Biazza

Ein Gespräch mit Michael Nyqvist vor ein paar Jahren: Es ging um das Urböse, um die Quelle von Gewalt und Fanatismus. Lebensthemen auch wegen der Rollen, auf die er gebucht war - in Thrillern wie "Mission: Impossible" und "John Wick", oder als Sektenführer Paul Schäfer, der in "Colonia Dignidad" Kinder missbrauchte. Jetzt wollte er aber unbedingt einen Witz erzählen: "Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einem Pessimisten und einem Optimisten ist? Der Pessimist sagt: ,Schlimmer kann es nicht werden.' Und der Optimist sagt: ,Doch, kann es!'"

Und genau das war es, was die Kunst des 1960 in Schweden geborenen Schauspielers so groß machte und so verwirrend: die Brüche. Seine Bösewichte waren bis in die verwahrlostesten Winkel menschlicher Widerwärtigkeiten ausrecherchierte Seelen, und selbst seine Helden - am bekanntesten sicher der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist in Stieg Larssons "Millenium"-Trilogie - obsessive Intensivtäter. Und trotzdem war da immer noch ein Augenzwinkern. Ein Hauch Ironie. Vielleicht sogar Humor.

In diesem Sinne war Nyqvist ein Menschenentdecker, der selbst in Stereotypen noch wunderbare Nuancen fand: Lustiges, Absurdes, Menschliches. Der Küchenpsychologe würde hier anmerken, dass er ein Adoptivkind war. Erst, als er selbst Vater wurde, suchte er seine eigenen Eltern. Wem immer etwas fehlt, der ist auf der Suche - und findet irgendwann eben auch die schwierigsten Zwischentöne. Und den Humor. Am Dienstag ist der Schauspieler Michael Nyqvist im Alter von 56 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.