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Nachruf:Kenianische Freiheit

Binyavanga Wainaina

Binyavanga Wainaina, Autor, Aktivist und einst Gastredakteur dieses Feuilletons, ist im Alter von nur 48 Jahren in Nairobi gestorben.

(Foto: Dai Kurokawa/dpa)

Der Autor und Aktivist Binyavanga Wainaina ist gestorben. Er war einer der einflussreichsten Köpfe der afrikanischen LGBTQ-Szene.

Als sich der kenianische Autor und Journalist Binyavanga Wainaina 2014 zu seiner Homosexualität bekannte, machten sich seine Leser auch in Europa gewisse Sorgen um ihn. Das Coming Out war eine Reaktion auf die Gesetze gegen Homosexualität, die in verschiedenen afrikanischen Ländern erlassen wurden. Auch in Kenia war Homosexualität illegal. Wie würde es ihm dort jetzt ergehen? War er überhaupt noch sicher? In den Interviews, die Wainaina daraufhin in Europa gab, beschwichtigte er: Ja, das Gesetz gebe es, aber der Wille zur Umsetzung sei gering. Und dass dieser abergläubische Traditionalismus in Kenia überhaupt etwas zu sagen habe, liege an der Armut, die nach den Reformen des IWF in zahlreichen afrikanischen Ländern ausgebrochen sei. Das waren seine Themen: das Verhältnis Europas zum afrikanischen Kontinent, die Missverständnisse, die durch Unkenntnis entstehen, der Fortbestand kolonialistischer Denkmuster und der Kampf gegen Puritanismus und Intoleranz in Kenia.

Für seine Short Story "Discovering Home" wurde er im Jahr 2002 mit dem prestigeträchtigen Caine Prize for African Writing ausgezeichnet, 2014 nahm ihn das Time Magazine in seine Liste der einflussreichsten Menschen der Welt auf. In Europa wird sein Name vor allem mit seiner ironischen Stilfibel "How to write about Africa" verbunden bleiben. Darin empfiehlt er unter anderem, von Afrika stets so zu sprechen, als handele es sich um ein Land, afrikanische Intellektuelle keinesfalls zu zitieren und Schulkinder nur dann zu erwähnen, wenn sie Ebola haben.

Sein früher Tod wurde jetzt von der Literaturstiftung "Kwani" bekannt gegeben, die er selbst gegründet hatte. Wainaina wurde 48 Jahre alt.