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June 17, 2010 - New York, New York, USA - . . . . . June 17 2010, New York City Johnny Mandel arriving at the 41st Annu

Johnny Mandel war Filmkomponist und Arrangeur für Popstars wie Sinatra. Sein größter Hit war der Soundtrack für „M*A*S*H“.

(Foto: imago images)

Der Filmkomponist Johnny Mandel ist tot. Er kam aus dem Jazz und war bekannt für eine Gratwanderung zwischen Kitsch und Cool, die in Hollywood sehr gefragt war.

Seinen größten Hit "Suicide is Painless", den Johnny Mandel 1969 für Robert Altmanns Koreakriegskomödie "M*A*S*H" komponierte, fand er selber im Schneideraum eigentlich eher deplatziert. Man könne so einen sanft-süßlichen Song nicht zu Kriegsbildern zeigen. Altmann war anderer Meinung, er ließ seinen 14-jährigen Sohn den Text schreiben und beförderte das Lied zum Titelsong des Films. Auch die gleichnamige TV-Serie lief elf Jahre lang mit Mandels Lied.

Der gebürtige New Yorker gehörte zu einer Handvoll Begnadeter, die einen Song, ein Streichorchester oder eine Jazzcombo in jede erdenkliche Emotion treiben konnten, egal ob es die Schwelgerei eines Liebesfilmes war oder die Coolness eines Jazzstückes.

Berühmt wurde Mandel in Hollywood. Mit Soundtracks für Filme wie "...die alles begehren", "Ein Fall für Harper", oder später dann "Wahnsinn ohne Handicap" oder "The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit". Da lieferte er Hits wie "Emily", "The Shadow of Your Smile" oder "Little Did I Dream". Viel Geld verdiente er auch mit Arrangements für die ganz Großen des Pop, für Frank Sinatra, Mel Tormé und Tony Bennett, für Barbra Streisand und Diana Krall.

Gelernt hatte er von Grund auf. Er spielte Signalhorn beim Militär, studierte an der "Manhattan School of Music" und der "Juilliard School". Die ersten Jahre verdingte er sich als Tourtrompeter in Bands von Buddy Rich, Jimmy Dorsey und Count Basie. Bei Basie fand er auch seine Bestimmung als Arrangeur. Das Handwerk, so sagte er mal in einem Interview, habe er sich bei den "floor shows" in Las Vegas erarbeitet, wo er im Akkord Arrangements für große Tanztruppen und mindestens so große Orchester schrieb.

Die Gratwanderung zwischen Kitsch und Cool, die in Hollywood bis in die Siebzigerjahre so gefragt war, begann ganz klar im Jazz. Eines seiner Meisterstücke war Shirley Horns Album "Here's to Life". Da bewies er, wie lässig ein Orchester sein kann. Am 29. Juni starb er in Kalifornien. Er wurde 94 Jahre alt.

© SZ vom 02.07.2020 / eye

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