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Nachrichten aus dem Netz (44):Inkorrekt 2.0

Selbstmordbomber, die Doppelmoral linksliberaler Hipster und natürlich die Nachrichten: Vor tabuloser Satire im Netz ist derzeit nichts und niemand sicher.

Es kommt im Web 2.0 nicht oft vor, dass eine Webseite alleine mit pointierten Texten Erfolg hat. Umso erstaunlicher ist der Aufstieg des Blogs "Stuff White People Like" , der am 18. Januar startete. Die Einträge sind im nüchternen Duktus eines Kultur- und Reiseführers gehalten, der Tipps gibt, wie man das Vertrauen und Wohlwollen weißer Amerikaner gewinnen kann, wenn man versteht, was für Sachen sie gerne mögen.

Nachrichtensatire bei The Onion: Wie wär's mit dem ökologisch korrekten Krieg?

(Foto: Screenshot: sueddeutsche.de)

Wobei es vor allem um die Doppelmoral der Generation Y geht, jener linksliberalen Hipstergeneration, die vornehmlich in Großstädten lebt. Die Liste mit den bisher 84 Einträgen reicht von Recycling ("Die Erde retten, ohne allzu viel dafür zu tun"), über schwierige Trennungen ("Währenddessen darf der Betroffene endlos über sich selbst reden und Platten von den Smiths hören.") bis zu Barack Obama ("Damit niemand auf die Idee kommt, man sei Rassist.") Was mit ein paar hundert Zugriffen begann liegt nun schon bei rund 300.000 Seitenaufrufen pro Tag.

Erstellt wird die Seite von dem weißen Werbetexter Christian Lander in Los Angeles. Der bedient sich eines politisch inkorrekten Humors, der im Netz seit einiger Zeit Furore macht. Während sich Lander als erster Weißer einer Selbstironie bedient, die bisher Minderheiten für Witze über sich selbst vorbehalten war, sind im Wahljahr 2008 kaum noch Grenzen gesetzt.

Die Satirezeitschrift The Onion ist beispielsweise mit einem eigenen Videokanal ins Netz gegangen, auf dem Clips im Stil von Nachrichtensendungen laufen, die sich über sonst humorfreie Themen wie Wahlbetrug, Selbstmordbomber und krebskranke Kinder lustig machen.

Auch die Seite 23/6 macht sich über die Nachrichtenlage lustig. Zum Beispiel über die jüngsten Literaturskandale, bei denen sich herausstellte, dass Memoiren von einer angeblichen Überlebenden des Holocaust und einer angeblichen Gang-Mitläuferin gefälscht waren, was der Seite Gelegenheit gibt, sich über diese Themen mit einem Baukasten für gefälschte Gangster- und Holocaustmemoiren zu amüsieren.

Im von historischen Schuldkomplexen geplagten Europa hat sich der politisch inkorrekte Humor noch nicht etabliert. Die italienische Onlinespielseite Molleindustria fällt da aus dem Rahmen. Da finden sich Spiele wie "Faith Fighter" mit dem Untertitel "religiöser Hass hat noch nie so viel Spaß gemacht", sowie "Pedopriest", bei dem es darum geht, pädophile Priester vor Polizei und Medien zu schützen. Letzteres löste schon eine Debatte im italienischen Parlament aus, bei der Konservative versuchten, das Spiel verbieten zu lassen.