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Alben der Woche:Die Revolution - fein säuberlich zum Einzelverkauf verpackt

Über "The 1975" kann man nur erschaudern - oder staunen. Badly Drawn Boy liefert eine Breitseite Vergangenheit und "Das Moped" ist nah dran an der "Wanda"-Bilderbuch-Synthese.

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Das Moped - "Erstaunlich Klar" (Epic d/Sony Music)

Das Moped - „Erstaunlich Klar“ (Epic d/Sony Music)

Quelle: Epic d/Sony Music

Bisschen schade: Man hatte ja insgeheim doch immer gehofft, dass sich zwischen Wanda und Bilderbuch noch mal ein wenigstens mittel-epischer "Battle Of The Bands" entwickeln würde. Ein Austro-Oasis-vs.-Blur der 2010er-Jahre. Die Anlagen waren ja hervorragend. Aber der Hass wollte einfach nicht zünden. Und das nimmt der Band Das Moped jetzt wiederum die Chance, sich als große Kriegs-Synthese auszugeben. Ehrlicher Claim: "Das Moped - Musik für Menschen zwischen den Stühlen". So bleibt "Erstaunlich Klar" (Epic d/Sony Music) einfach ein Album, dem man anhört, dass das Trio die Vorbilder sehr aufmerksam studiert hat. Das Ergebnis will ein bisschen hymnischer sein als Bilderbuch - und ein wenig pomadenfrisierter als Wanda. Natürlich ist es beides damit nicht wirklich. Aber es ist relativ nah dran.

Jakob Biazza

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Badly Drawn Boy - "Banana Skin Shoes" (One Last Fruit/Rough Trade)

Cover für Popkolumne

Quelle: Label

Damon Gough, besser bekannt als Badly Drawn Boy, noch besser bekannt als schluffigster Wollmützenträger des Indie-Pops der Nullerjahre, hat ein neues Album veröffentlicht. "Banana Skin Shoes" (One Last Fruit/Rough Trade) ist seine erste Platte seit 2010 und sie fiepst, rumpelt und schwelgt wie zu besten "Born in the U.K."-Zeiten. Auch die obligatorische Wollmütze trägt Gough auf den aktuellen Pressefotos noch immer bis knapp über die Augenbrauen gezogen. Der DIY-Tüftler hat das vergangene Jahrzehnt dafür genutzt, seine ohnehin schon eklektische Soundpalette noch ein bisschen aufzumotzen. Der Titeltrack klingt, als wäre mitten im Zusammenschneiden von drei unterschiedlichen Funk-Stücken die Musikbearbeitungssoftware abgestürzt. Es glitzert, quietscht und groovt, während Gough davon singt, aus dem Gips auszubrechen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Ein schöner, überbordender Pop-Song. Und eine Mogelpackung. Denn das, was folgt, ist eine ganze Breitseite Vergangenheit. Auf "Banana Skin Shoes" verarbeitet Gough die vergangenen Jahre in Songs: Trennung, Alkoholismus, neue Beziehung, Geburt. Das Ergebnis ist ein Pop-Flickenteppich, der sich schnell als Staubfänger entpuppt. Und der zwischen nostalgischen Manchester-Episoden ("Tony Wilson Said") und phrasenschweren Texten keine echte Tiefe entwickeln kann.

Julian Dörr

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The 1975 - "Notes On a Conditional Form" (Dirty Hit/Polydor Records)

Cover für Popkolumne

Quelle: Label

Das sieht bei The 1975 ganz anders aus. Deren neues Album "Notes On a Conditional Form" (Dirty Hit/Polydor Records) geht gleich mit dem Intro in die Vollen. Zu tröpfelndem Piano warnt Greta Thunberg vor der Klimakatastrophe und fordert Handlungen: "There are no grey areas when it comes to survival." Es sei jetzt Zeit für zivilen Ungehorsam, schließt sie, Zeit für eine Rebellion. Und wie auf Kommando schreit Sänger Matthew Healy dann im nächsten Song "People" auch gleich los: "Wakeupwakeupwakeup!!!". Diese ersten Minuten von "Notes On a Conditional Form" fassen das Unbehagen mit dieser jungen und unglaublich erfolgreichen britischen Band sehr gut zusammen: Die Intentionen sind gut, aber die Umsetzung klingt bei The 1975 eher nach durchgeplanter Marketingstrategie als nach Revolution. Der empörte Aufschrei zum Auftakt bleibt ein Einzelfall. Und der Emo-Rock von "People" löst sich auf in ein episches Hollywood-Streicher-Intermezzo. Es folgen, in der Reihenfolge ihrer Auftritte: Dubstep, Country, EDM, After-Hours-Lounge-Jazz, Gospel, Autotune-R'n'B. Apokalyptisch ist hier nicht nur Gretas Botschaft. "Notes on a Conditional Form" steht am Ende der Pop-Geschichte. Ein vermeintlich grenzüberschreitender Ritt durch alle erdenklichen Genres - aber jeweils fein säuberlich und trennscharf zum Einzelverkauf verpackt. Ein Band gewordener "Das könnte Ihnen auch gefallen"-Algorithmus. Greta hat recht. Es gibt keine Grauzone. Angesichts dieser Musik kann man nur erschaudern oder erstaunen.

Julian Dörr

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Nídia - "Não Fales Nela Que A Mentes" (Príncipe)

Cover für Popkolumne

Quelle: Label

Nídia hingegen spielt Musik zum Tanzen, auch wenn die in Lissabon und Bordeaux lebende DJ und Produzentin die Schlagfrequenz auf ihrem zweiten Album "Não Fales Nela Que A Mentes" (Príncipe) verringert hat. Im Zentrum steht noch immer Kuduro, ein energiegeladener angolanischer Tanz- und Musikstil, der traditionelle afrikanische Perkussion mit Techno- oder House-Beats verschmilzt. Auf ihrer neuen Platte intensiviert Nídia ihren Sound, indem sie Leerstellen lässt. Zwischen den rohen Beatstrukturen kann so in jedem Track ein anderer Bestandteil strahlen: die karibischen Trommeln in "Intro", die Arabesken von "Popo", die 8-Bit-Einsprengsel in "Tarraxo Do Guetto" oder die Fanfaren in "Emotions". Auch eine Reise durch Genres. Aber eine, die verbindet und dadurch Neues schafft.

Julian Dörr

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Ferge X Fisherman - "Blinded By The Neon" (Ferge X Fisherman)

Ferge X Fisherman - "Blinded By The Neon" (Ferge X Fisherman)

Quelle: Ferge X Fisherman

Und damit zum Abschluss noch mal fähige Sound-Imitatoren: "Blinded By The Neon" (Ferge X Fisherman), das gemeinsame Debüt des Rappers Fritz Fisherman und des Produzenten Ferge, klingt recht deutlich nach The Roots ca. "Undun" - und zwar stellenweise wirklich überraschend glaubwürdig also erstaunlich undeutsch. Schwer vorstellbar, dass es für eine Jazz-Rap-Combo aus Nürnberg ein größeres Kompliment gegeben kann.

Jakob Biazza

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The 1975

Quelle: dpa

Keine Grauzonen im Überlebenskampf: die Band The 1975.

Alle Folgen der Alben der Woche gibt es hier.

© sz.de/biaz

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