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Märchen:Der Kater aus dem Burggraben

Die Bewohner auf einer magischen Burg werden von einem Fluch befreit.

Von Yvonne Poppek

Es sind seltsame Gestalten, die da auf der Bieleburg wohnen. Da wäre der leicht reizbare Zauberer Medardus, der Angst vor Geistern und schwarzen Katzen hat. Oder das winzige Huhn namens Kleiner Hühnchen, das behauptet, eines Tages ein Drache zu werden. Oder der mürrische Geistervogel Habergeiß, mit einem Schnabel wie ein Säbel. Wieland Freund hat für sein Märchenabenteuer "Dreimal schwarzer Kater" ungewöhnliches Personal zusammengestellt, Figuren mit ausgeprägten Eigenheiten. Damit ist augenblicklich klar, dass der mehrfach ausgezeichnete Kinderbuchautor und Literaturkritiker keine eindimensionale Geschichte erzählen will oder gar einen in einen Roman gekleideten Ratgeber. Es geht vielmehr ums Fabulieren und Rätseln, um Spannung und Magie, letztlich um zeitloses Erzählen.

Im Zentrum "der Geschichte für die ganze Familie" - wie es zu Recht auf dem Buchcover heißt - steht der kleine schwarze Kater Krispin. Er wird eines Nachts in einem Sack aus dem Burggraben an Land gespült, vor die Füße des Kobolds Hillebingel. Sofort ist klar, dass der abergläubische Burgherr Medardus einen schwarzen Kater in seiner Nähe nicht dulden wird. Also muss Krispin versteckt werden. Das ist jedoch eine nur allzu kurzfristige Lösung: Angestiftet von Kleiner Hühnchen macht sich Krispin auf einen Streifzug durch die Burg, wird entdeckt und löst eine panische Reaktion bei Medardus aus, die in einem vernichtenden Zauber münden soll. Diesen jedoch wollen Geister und Tiere verhindern. Wieland Freund traut es seinen Lesern zu, dass die Handlung komplexer ist als in einem gängigen Märchen. Es gibt zwar Gut und Böse, aber auch die grauen Formen dazwischen. Und es gibt Gedankenspiele um die Zeit, ums Erinnern und Vergessen. Freund drängt es nicht nach einer schnellen Auflösung von Rätseln, einem schillernden Helden oder einem hippen Fantasy-Roman. Er hat lieber eine Märchenbüchse mit mehreren Geheimfächern geöffnet. Dafür nimmt er in Kauf, dass der Einstieg in diese Welt nicht ganz holperfrei ist, so als müsste man erst in einer ruckeligen Zeitmaschine reisen, um in diese Zauberwelt zu gelangen. Dann aber schlägt sie einen in ihren Bann - wie es eben sein soll bei derartig magischen Büchern. (ab 8 Jahre)

Wieland Freund: Dreimal schwarzer Kater. Mit Illustrationen von Sabine Mielke. Beltz & Gelberg 2020. 240 Seiten, 16,95 Euro

© SZ vom 25.09.2020

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