Alben der WocheAls er gerade bereit war, wieder ans Licht zu treten

Das posthume Album von Mac Miller ist da. Es ist, natürlich, tragisch. Weil es tragisch gut ist. Dazu: Neues von "Algiers", Mura Masa und "Of Montreal".

Algiers - "There Is No Year" (Matador)

Jedes neue Pop-Jahr braucht zu Beginn diesen einen Song, der einem die Januardrögheit aus Hirn und Knochen massiert. Für das Jahr 2020 heißt dieser Song "There Is No Year". Er eröffnet das gleichnamige Album (Matador) der amerikanischen Band Algiers. Eine synthetische Basslinie wummert voran, die Drummachine feuert im Viertelsekundentakt und Sänger Franklin James Fisher verkündet: "Now it's two minutes to midnight". Algiers lassen keinen Zweifel: Die Welt ist am Arsch. Das Land brennt, und die Gespenster der Vergangenheit haben uns längst eingeholt. Gleich der zweite Song "Dispossession" macht deutlich: Weglaufen ist nicht mehr drin. Stattdessen wird in den Hochöfen getanzt. Dort haben Algiers Post-Punk, Industrial und Dunkelkammer-Soul zu einem heiß glühenden Gemisch verschmolzen, das bisweilen so klingt, als hätte jemand einen Gospel-Chor in eine stillgelegte Fabrikhalle gesperrt. In ihren besten Momenten türmen Algiers all diese Versatzstücke der Pop-Geschichte so eindrucksvoll aufeinander, dass man überwältigt davon ist, wie niederwalzend und relevant eine Rockband auch im Jahr 2020 noch sein kann. Von Julian Dörr

Bild: dpa 17. Januar 2020, 05:282020-01-17 05:28:22 © sz.de/biaz