Lyrik Viel Licht

Der Holländische Botschafter Webke Kingma und Bayerns Kunstministerin Marion Kiechle vor der "Briefleserin in Blau".

(Foto: Catherina Hess)

Zur Vermeer-Ausstellung: Gedichte von Ludwig Steinherr

Von Antje Weber

"Was für ein Licht!" Mit diesem Ausruf lässt sich am besten beschreiben, was Ludwig Steinherr an Johannes Vermeers Werk liebt. "Ein Tosen, Explodieren" an Licht findet der Lyriker in dessen Gemälden; immer wieder setzt Steinherr diese Helligkeit, ganz existenziell gedeutet, in Kontrast zu einem ansonsten schwarzen Universum.

Der Münchner Lyriker hat sich mit dem holländischen Maler nicht nur beschäftigt, weil dessen "Briefleserin in Blau" seit diesem Dienstag in der Alten Pinakothek zu Gast ist - seit Jahren schon umkreist er dessen Universum. Es passt daher bestens, dass er seine Vermeer-Gedichte, darunter manche bereits in früheren Lyrikbänden gedruckt, nun in einem eigenem Band versammelt hat. "Briefleserin in Blau" (Allitera Verlag) lautet der nicht wirklich überraschende Titel des Büchleins, und Steinherr wird daraus in den kommenden Wochen gleich vier Mal in der Alten Pinakothek lesen, kontemplative 20 Minuten lang. Damit ergänzt er ein Beiprogramm zur Präsentation der "Briefleserin", das unter anderem noch einen Vortrag mit Konzert (18. Juli), Filme und Führungen vorsieht.

Steinherrs Gedichte stehen in einer langen Tradition der Bildgedichte; darauf verweist Bernhard Maaz, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, im Vorwort. In unserem Zeitalter der Bilderfluten lasse sich der Dichter auf das Lebenswerk des Malers ein, "Fülle im Einzelnen statt Überfülle" suchend. "Dieses grundlegend Geistesverwandte generiert Stringenz durch Reduziertheit, Tiefe durch Konzentration", so Maaz. Und: Steinherr hebe Vermeers Kunstwerke in unsere Zeit. Tatsächlich sucht Steinherr zum Beispiel im Gedicht "Das Mädchen Der Maler Ich" Verbindungen zwischen diesen drei Protagonisten von einst und heute. "Ich weiß nicht / was das Mädchen dachte / als Vermeer es porträtierte", beginnt er in aller Bescheidenheit. Ebenso wenig weiß das lyrische Ich, "was Vermeer sah / als er die Pinsel / über die Leinwand führte". Das Ich von heute sucht "etwas das / mit beiden / wenig zu tun hat". Und muss erkennen: Letztlich ist jeder allein im Moment des Betrachtens; es handelt sich um "die seltsamste Art von Gespräch".

Lesungen von Ludwig Steinherr in der Alten Pinakothek: Samstag, 7. Juli, 16 Uhr; 14. Juli (16 Uhr), 18. Sept. (19 Uhr), 29. Sept. (16 Uhr)