Literatur Von Erpressung bis Erstickungstod

Zwei Münchner plaudern in Frankfurt über "Kroatisches Roulette": Miroslav Nemec erzählt SZ-Redakteurin Susanne Hermanski von seinem neuen Krimi.

(Foto: Lea Salomon)

Beim ersten SZ Kultursalon im Rahmen der Frankfurter Buchmesse erzählt Miroslav Nemec von seinem Doppelleben als "Tatort"-Kommissar und Autor

Von Antje Weber, Frankfurt

Miroslav Nemec hat ein Problem. Um es genau zu nehmen: mehr als eines. Zunächst einmal, damit fängt der Ärger an, soll er ein Zimmermädchen in einem Zagreber Hotel unsittlich berührt haben; mit Fotos der pikanten Szene will man ihn erpressen. Er lässt sich auf eine Geldübergabe ein - dabei fällt der Empfänger in ein tiefes Loch. Auch das Zimmermädchen trifft Nemec wieder - in leblosem Zustand. Wird man Nemec nun auch noch den einen oder anderen Mord anhängen? Kann er trotz eines schmerzenden Streifschusses aus diesem Albtraum flüchten - oder wird der in Deutschland so beliebte "Tatort"-Kommissar für immer in kroatischen Gefängnissen verschwinden?

Der neue, zweite Krimi "Kroatisches Roulette" (Penguin Verlag) von Miroslav Nemec wirft so manche Fragen auf - und er beantwortet sie, nach einigen dramatischen Wendungen, am Ende auch alle. Die Antworten sollen hier natürlich nicht gespoilert werden; Antworten auf ein paar andere Fragen gab Nemec dafür bei einem SZ Kultursalon in Frankfurt, dem ersten im Rahmen der Buchmesse. An einem Ort in Bahnhofsnähe, der dafür bestens geeignet schien: Nicht nur, weil man dort noch ein bisschen Rotlicht-Charme erspüren kann - sondern auch, weil das coole Café Tumult mit sogenannten "Escape Games" das Hauptgeschäft macht: Hier sperrt man Gruppen ein, die allerlei Aufgaben lösen müssen, um sich wieder den Weg in die Freiheit zu bahnen.

Miroslav Nemec, nach 27 Jahren als "Tatort"-Kommissar längst Ehrenkommissar der Polizei, kommt in diesem Rahmen im Gespräch mit SZ-Kulturchefin Susanne Hermanski schnell ins Plaudern. Zunächst einmal erzählt der Schauspieler und Musiker, wie er auch noch zum Krimi-Schreiben gekommen ist: Beim Wandern mit Verleger und Freund Wolfgang Ferchl kam ihnen die Idee, die Privatperson Nemec mit ähnlichen Fällen wie sein "Tatort"-Alter-Ego Ivo Batic zu konfrontieren: "Das war der Gag dran!" Das ermöglicht Nemec auch, "Situationen zu beschreiben, wie sie mir im Leben passieren": So wird er zum Beispiel auf der Straße immer wieder als "Herr Kommissar" angesprochen, mit dem Zusatz: "Bitte nicht verhaften!" Dabei sei es doch so: "Ich kenne Herrn Batic nicht, ich bin Herr Nemec." Als authentisch wirkender Ich-Erzähler Herr Nemec hat er sich entschieden, sogar Frau und Tochter mit Klarnamen in den Büchern auftreten zu lassen - wobei er beim zweiten Fall versucht hat, "die Privatsphäre ein bisschen zu reduzieren".

Wenn Nemec so lebhaft wie unterhaltsam erzählt, geht es aber natürlich schon immer wieder um seine Biografie, die auch im neuen Krimi eine große Rolle spielt - schließlich erinnert er sich darin intensiv an seine Kindheit in Kroatien. Später kam er zu Adoptiveltern nach Bayern, lernte unzählige Instrumente - und schien sich nicht die spätere Kommissar-Karriere in einer Band mit dem Namen Asphyxia (Erstickungstod) schon früh anzudeuten? Eigentlich nicht, sagt Nemec: Sie wollten einfach nur einen Namen mit dem Buchstaben A finden, um auf Konzertplakaten ganz oben zu stehen. In einem Lexikon stieß er auf den Begriff. "Sah super aus!"

Auch beim Schreiben überlässt er nichts dem Zufall: "Alles muss stimmen." Das sei wie bei Drehbüchern, da mag er es auch nicht, wenn eine Handlung "draufgepappt" ist - auch wenn am Ende eine Kurzschlusshandlung stehe, müsse die Hinführung schlüssig sein. Deshalb macht er stets als erstes den Plot: "Ich brauche Übersicht, ich bin zu pedantisch." Mit den Romanen, die er anschließend zum Teil im Morgenmantel schreibt, will er nicht die Welt verbessern; sein Ziel könnte man wohl so bezeichnen, wie er es für den "Tatort" formuliert: "Ich würde gerne weiter Geschichten erzählen - nicht schonend, und nicht effekthascherisch."

Lesungen von Miroslav Nemec in München am 21. Oktober im Volkstheater und am 20. November bei der Bücherschau im Gasteig