Literatur Sich einen Wolf schreiben

Nicola Förg stellt ihren neuen Krimi vor

Von Sabine Reithmaier

Nicola Förg liebt Tiere. Sie beschäftigt sich in ihren Krimis gern mit aktuellen Problemen, die Landwirte, aber auch Umwelt- und Naturschützer gerade plagen. Und über die sie sich selbst auch aufregen kann. Mal ärgert sie sich über den illegalen Welpenhandel ("Scharfe Hunde"), mal geht es um Biogasanlagen und ihre giftigen Gärreste ("Das stille Gift") - der Journalistin und Bestsellerautorin geht es in ihren Büchern immer auch um Aufklärung; bloß morden interessiert sie nicht. In ihrem jüngsten Werk "Wütende Wölfe" (Piper-Verlag) widmet sie sich jenen Raubtieren, deren Rückkehr derzeit hitzig und kontrovers diskutiert wird.

Dabei gönnt sich ihre Kommissarin Irmi Mangold eigentlich gerade eine Auszeit auf der Bäckenalm. Dort hütet sie mit einer zweiten Sennerin, einer ehemaligen Landrätin, 25 Milchkühe und stellt Käse her. Die beiden Frauen werden begleitet von einem jungen Wissenschaftler, der untersuchen soll, welchen Einfluss das Gras der Almwiesen auf die Milchqualität hat und ob die Milch von Kühen mit Hörnern anders schmeckt als die der Hornlosen. Das Sabbatical braucht Irmi dringend: Zum einen hat sie ihr letzter Fall ziemlich geschlaucht, zum anderen hat ihr Bruder, mit dem sie seit Jahrzehnten unter einem Dach lebt, plötzlich geheiratet. Obwohl die Schwägerin nett ist, fremdelt Irmi ein wenig. Überhaupt steht ihr 60. Geburtstag kurz bevor - genug Gründe also, für einen friedlichen Rückzug in die Berge.

Aber schon in der ersten Nacht geraten die Kühe in Panik, tags darauf trampeln Kühe - Achtung: noch ein brisantes Thema - eine Wanderin nieder. Angeblich weil ein Wolf sie in Panik versetzt hat. Schließlich stolpert Irmi auch noch über einen Toten, der in eine Wolfsfalle geraten ist. Schon steckt sie mittendrin in ihrem zehnten Fall. Eigentlich will sie die Ermittlungen ja ihrer bewährten Kollegin Kathi Reindl überlassen und weiter käsen. Aber leider stellen sich noch einige weitere Tote ein, die Geschichte entwickelt sich in mehreren Nebensträngen ziemlich verzwickt. Aber nachdem Förg auf dem Papier bereits seit fast 20 Jahren mordet, bereitet es ihr keine Probleme, das Knäuel wieder schlüssig zu entwirren, auch wenn die schwergewichtige Themenflut die Krimihandlung teilweise ganz schön überfrachtet. Denn natürlich ist für Förg die Zukunft der Almen mindestens genauso wichtig wie die der Wölfe. Irmi Mangold muss mehr als einmal darüber nachdenken, was passiert, wenn dort oben kein Vieh mehr weidet und Sauerampfer, Huflattich, giftiges Kreuzkraut und der schnell wachsende Ahorn das Kommando übernehmen, alles zuwächst und die Böden verfilzen.

Der elfte Krimi, an dem Förg gerade schreibt, hört sich übrigens entspannter an. Noch jedenfalls. Darin geht es ums derzeit topaktuelle Waldbaden. Aber vermutlich wird sich auch das nicht gerade erholsam entwickeln.

Wütende Wölfe; Buchpräsentation mit Nicola Förg und Michaela May, Do., 28. März, 20.15 Uhr, Alte Rotation/Pressehaus, Bayerstr. 57