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Literatur:Märchen und Morde

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Mit historischen Figuren beschäftigt sich die Münchner Schriftstellerin Tanja Kinkel in ihrem neuen Roman.

(Foto: Fine Pic)

Tanja Kinkel liest aus ihrem neuen Roman

Von lena Lanzinger

Kassel im Jahr 1821: Die ehemalige Mätresse des verstorbenen Kurfürsten wird ermordet aufgefunden. Die Haupttodesursache: heißes, flüssiges Wachs, das ihr ins Gesicht getropft wurde, bis sie daran erstickte. Die Polizei findet bei der Toten ein Zitat aus Grimms Märchen "Die drei schwarzen Prinzessinnen", welches Bestandteil einer Märchensammlung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm ist, aber von den Schwestern von Droste zu Hülshoff erfunden wurde. Kurze Zeit später wird ein zweiter Toter entdeckt, der an einem Stück vergifteten Apfels erstickte - bei ihm findet man ein Zitat aus "Schneewittchen". Sind die Brüder Grimm etwa Mörder? Als Tatverdächtige geraten sie ins Zentrum polizeilicher Ermittlungen.

"Grimms Morde" (Droemer) heißt der neue Kriminalroman der vielseitigen Münchner Schriftstellerin Tanja Kinkel. Unsere Geschichte ist voller faszinierenden Epochen und Personen, wieso sollte man sich also auf nur eine beschränken? Anders kann man sich nicht erklären, dass sich die Schriftstellerin in ihren Romanen den verschiedensten Epochen annähert - bis hin zur jüngsten RAF-Vergangenheit. 1969 in Bamberg geboren, studierte die Autorin Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und erhielt schon im frühen Alter Literaturpreise. Es folgten Stipendien in Rom, Los Angeles und München und die Mitgliedschaft im Pen.

In ihren Romanen mischt Kinkel die Biografien historischer Figuren mit einer großen Portion Fiktion. Den ersten veröffentlichte sie 1990 unter dem Titel "Wahnsinn, der das Herz zerfrisst", er handelt vom berühmten englischen Dichter George Gordon Lord Byron. Für Recherchen reiste sie nach England, Italien, Griechenland und in die Schweiz. Die Originalorte zu besichtigen ist nicht immer möglich; bei ihrem neuesten historischen Roman hatte Kinkel Glück: Für "Grimms Morde" verbrachte sie viel Zeit in Kassel, beschäftigte sich intensiv mit den Charakteren der Familie Grimm, ihrer Verbindung zum Kurfürstentum und den Schwestern Anette und Jenny von Droste zu Hülshoff.

Den neuen Grimm-Krimi verfasste Kinkel passenderweise im Stil eines Märchens und baut zu Beginn nur wenig Spannung ein, da erst Personenkonstellationen geklärt werden müssen. Sie schildert sehr detailliert das Lebensgefühl, die Literaturszene, die gesellschaftliche wie politische Lage in Kassel nach den napoleonischen Kriegen und der Absetzung Bonapartes - und natürlich beantwortet sie auch die Frage, wer die Mätresse des Kasseler Kurfürsten ermordet hat.

Tanja Kinkel: Grimms Morde; Sonntag, 5. November, 18 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1

© SZ vom 03.11.2017
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