Literatur Kritik an Menasse

Nach Vorwürfen zum Umgang mit historischen Daten überprüft die rheinland-pfälzische Landesregierung die geplante Ehrung des Schriftstellers.

Nach Vorwürfen zum Umgang mit Zitaten und historischen Daten überprüft die rheinland-pfälzische Landesregierung die geplante Ehrung des Schriftstellers Robert Menasse mit der Carl-Zuckmayer-Medaille. Bei den Vorwürfen geht es um die von Menasse vorgebrachte Behauptung, dass der erste Kommissionspräsident der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, seine Antrittsrede 1958 auf dem Gelände des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz gehalten habe. In einem Gastbeitrag für die Zeitung Die Welt schreibt Menasse, die Information zur Hallstein-Rede habe er bei seinen Recherchen für den Roman "Die Hauptstadt" ohne Prüfung verwendet, "denn für Romane gelten andere Regeln als für Doktorarbeiten. Falls dieses Detail als historisches Faktum missverstanden wurde, tut mir das leid". Er könne nicht ausschließen, dass er in Podiumsgesprächen zu dem Missverständnis beigetragen habe. Menasse: "Die Anführungszeichen waren, vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, ein Fehler. Dafür entschuldige ich mich." Er habe selbst darauf hingewiesen, dass er Hallstein nicht wörtlich, sondern sinngemäß wiedergegeben habe. Die Kritik an seinem Umgang mit Zitaten bezeichnete Menasse als "künstliche Aufregung".