Literatur Israelischer Autor Amos Oz ist tot

Amos Oz auf einer Aufnahme vom 4. November 2015 in seinem Haus in Tel Aviv.

(Foto: dpa)
  • Der israelische Schriftsteller Amos Oz ist im Alter von 79 Jahren gestorben.
  • Er gilt als wichtigster Repräsentant israelischer Literatur und als großer Friedensvisionär seines Landes. Sein Werk mit über 30 Büchern löste heftige Kontroversen aus.
  • Zuletzt galt der Autor immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis.

Amos Oz ist tot. Der israelische Schriftsteller starb im Alter von 79 Jahren in Jerusalem, wie seine Tochter Fania Oz-Salzberger auf Twitter mitteilt. Ein halbes Jahr vor seinem 80. Geburtstag erlag er einem Krebsleiden.

Oz gilt als wichtigster Repräsentant israelischer Literatur und aufgrund seines politischen Engagements als einer der großen Friedensvisionäre seines Landes.

Als Amos Klausner 1939 in Jerusalem im britischen Mandatsgebiet Palästina (1920-1948) geboren, wuchs Oz als Einzelkind in einer rechts-zionistischen Familie auf.

Sechs Jahre nach der Staatsgründung Israels 1948 rebellierte der 15-jährige Schüler gegen das konservative Elternhaus und zog in den Kibbuz Chulda (auch: Hulda), wo er sich den hebräischen Namen "Oz" (dt.: Stärke, Kraft) zulegte. Anschließend studierte er Literatur und Philosophie und kehrte dann nach Chulda zurück.

Seit 1961 veröffentlichte Oz Kurzgeschichten, mit "Mein Michael" gelang ihm sein erster Romanbestseller. Nach dem Examen arbeitete er im Kibbuz-Kollektiv mit, unterrichtete an Oberschulen und schrieb. 1986 verließ er den Kibbuz und übernahm 1987 eine ordentliche Professur für Hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba, wo er von 1993 bis 2005 den renommierten Agnon-Lehrstuhl für Moderne Hebräische Literatur innehatte.

In diversen Aufsätzen sprach sich der moderat linke Zionist früh für einen Kompromiss mit den Palästinensern aus und wurde als einer der ersten israelischen Verfechter einer Zwei-Staaten-Lösung bekannt. In einem Interview mit der SZ erinnert sich Oz an seine Freundschaft zu einem britischen Polizisten und dass ihn seine Freunde daraufhin als Verräter beschimpften: "Das war das erste Mal, dass man mich so nannte, mit acht Jahren. Seitdem werde ich bis heute in meinem Land so bezeichnet, inzwischen betrachte ich es als Kompliment. Ich weiß, dass man die Welt nicht nur mit einem Paar Augen betrachten kann."

Zu seinen bekanntesten Romanen zählen "Der dritte Zustand", "Mein Michael", "Black Box", "Allein das Meer" und "Geschichte von Liebe und Finsternis". Insgesamt veröffentlichte Oz mehr als 30 Bücher sowie Erzählbände und Essays. Sein Werk wurde in 37 Sprachen übersetzt. Sein Lebenswerk wurde unter anderem mit dem Israel-Preis 1998, dem Goethe-Preis 2005 und dem Siegfried-Lenz-Preis 2014 ausgezeichnet. Oz galt immer wieder auch als Kandidat für den Literaturnobelpreis.

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