Literatur Auf unbekanntem Terrain

Das Projekt soll den unübersichtlichen Kinder- und Jugendbuchmarkt der arabischen Welt ein Stück weit erschließen.

(Foto: Internationale Jugendbibliothek)

Jugendbibliothek nimmt arabischsprachige Kinderliteratur in den Blick

Von Barbara Hordych

Die Lücke könnte größer nicht sein: "Hinsichtlich arabischsprachiger Kinder- und Jugendliteratur liegt ein riesiger Bedarf von Seiten der Grundschulen und Bibliotheken vor, der auf der anderen Seite bislang aber überhaupt keine Kenntnis entspricht", sagt Christiane Raabe, die Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek. Das soll künftig anders werden. Bei der Vorstellung der Pläne, denen sich ihr Haus in diesem Jahr widmet, gehört das einzigartige Projekt zur arabischsprachigen Kinder- und Jugendliteratur zu den wichtigsten. Und zu den wegweisendsten, denn es ist gleich auf drei Jahre angelegt. "Unser Ziel ist es, eine Liste mit 40 Empfehlungen zusammenzustellen, von Büchern, die wir übersetzen lassen und die auf Arabisch und Deutsch erscheinen", erklärt Raabe.

Bei dem vom Kulturreferat geförderten Projekt, für das sich schon jetzt Pädagogen und Verlage stark interessieren, greift die Internationale Jugendbibliothek auf die Expertise des Orientalisten Azad Hamoto zurück. "Er ist vor fünf Jahren aus Syrien geflüchtet, ein Experte für arabischsprachige Kinder- und Jugendliteratur und hilft uns bei der Bestandsaufnahme des für uns sehr unübersichtlichen Buchmarkts etwa im Irak, Libanon, in Ägypten und Syrien". Welche Geschichten werden dort geschrieben? Welche Themen und Genres sind bei den jungen Lesern besonders beliebt? Wer ist beispielsweise die "Kleine Hexe" in der arabischsprachigen Welt? "Bislang bestimmen ja eher die Märchen aus 1001 Nacht unser Orientbild."

Als recht unkonventionell beschreibt Raabe die Verhältnisse auf dem arabischsprachigen Buchmarkt, die Verlage druckten in unserer Sicht unberechenbar, die Preise würden frei verhandelt, da es keine Buchpreisbindung gebe. Da Hamoto für die Stadtbibliotheken die Bücher direkt mit kaufe, sei es sehr wichtig, die Inhalte, etwa in Hinblick auf Kinderrechte, kritisch zu prüfen. "Da denkt man, ein Kinderbuch vor sich zu haben, und dann entpuppt es sich als ein religiöses Traktat", sagt Raabe. Erste Ergebnisse dieser Pionierarbeit werden am 11. und 12. April bei den "arabischen Kinderliteraturtagen" vorgestellt. Dabei beleuchtet Kulturvermittler Hamoto mit der libanesischen Autorin und Verlegerin Nadine Touma und dem ägyptischen Illustrator Walid Taher die Themen und Traditionen sowie die besonderen Herausforderungen des arabischsprachigen Kinder- und Jugendbuchmarkts, daneben sind Lesungen für Schulklassen geplant.

Anlässlich des 70. Geburtstages der vielfach prämierten Illustratorin Rotraut Susanne Berner im August wird Schloss Blutenburg vom 10. Juni bis 2. September eine Schar von 120 Original-Katzenbildern beherbergen. "Sie sind so etwas wie das Alter Ego der Künstlerin. Was monothematisch klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als sehr vielseitig, denn keine Katze gleicht der anderen", sagt Raabe. Einen weiteren Höhepunkt verspricht die fünfte Ausgabe des "White Ravens"-Festivals vom 14. bis 19. Juli. 13 internationale Autoren lesen auf Englisch, Französisch, Polnisch und Spanisch vor Schulklassen, die sich bayernweit bewerben können. Und der Warschauer Autor Piotr Karski, dessen Sachbuch "Berge!" als Wissenschaftsbuch des Jahres nominiert ist, ruft Gipfelstürmer zur Bergwanderung auf.