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Liebesfilm:Neues Spiel, neues Glück

Eine italienische Romanze über Liebe im Alter und wie man sie am Pokertisch bewahrt: "Für dich soll's ewig Rosen geben".

Die Liebe hält selten ein ganzes Leben. Aber wenn sie es tut, verändert sie die Liebenden. Sie beginnen, sich kurios zu verhalten, mal, um sich selbst, mal, um dem anderen Kummer zu ersparen. So ist es auch bei den zwei älteren Herren Giulio und Claudio, die schon seit vielen Jahren ein Paar sind, ohne dass die Zeit ihre Zuneigung abgenutzt hätte. Sie wohnen zusammen in einer Villa in Alghero, allerdings ist Claudio krank, wohl schon länger, er kommt aus seinem Zimmer im ersten Stock nicht mehr heraus. Giulio kümmert sich um seinen Liebsten, er serviert ihm üppige Mahlzeiten am Bett, bringt ihm jeden Morgen eine rote Rose aus dem Rosengarten. Es scheint ein Vermögen zu geben, Hauspersonal, auch ein Piano.

Aber alles, was jenseits von Claudios Zimmer liegt, sieht völlig anders aus. Das Vermögen ist weg, so komplett, dass Giulio schon die Möbel verkauft hat, um mit dem Erlös einkaufen zu gehen. Das Dienstmädchen gibt es nur noch als Stimme vom Band, die Giulio gelegentlich laut durchs Haus schallen lässt, und die Rose kommt vom Straßenverkäufer, denn auch der Garten ist verfallen. Um den kranken Freund nicht mit der Geldnot zu belasten, spielt Giulio ihm täglich eine akribisch ausgearbeitete Scharade vor. Man sieht mit Claudio den Schein und mit Giulio die Realität, das macht diesen Film amüsant und traurig zugleich.

Wenn man erfährt, dass Giulio früher professioneller Spieler war, dann wundert man sich nicht, so gut ist der Bluff, den er zu Hause abzieht. Und wie bei einer Pokerrunde ändert auch Regisseur Cesare Furesi immer wieder den Kurs und die Stimmung, sein Film hält sich mit der Melancholie nicht lange auf. Furesi stattet Giulio mit resolutem Optimismus aus, neues Spiel, neues Glück, ist dessen Plan, was ihn nicht nur zu dem ein oder anderen Tänzchen an der Uferpromenade inspiriert, sondern auch dazu, seine entfremdete Tochter und ihren Sohn Marco einzuladen. Er denkt an einen letzten großen Einsatz im Casino, als heimliche Aktion natürlich, um die risikofeindliche Tochter nicht zu verärgern. Aber Marco will er mitnehmen.

Furesi lässt seine Geschichte durch unterschiedliche Genres driften, und er nimmt sich aus jedem das Beste: die Poesie der Romanze, die Konsequenz des Melodrams, die Eleganz und Spannung des Spielerfilms. Das versetzt er mit so viel Leichtigkeit, dass man seinen Figuren gern nahekommt, während sie ihre Täuschungsmanöver anbringen. Denn egal ob sie pokern oder lieben, man sieht an ihnen, dass Geheimnisse tatsächlich ein gutes Mittel sind, um die Wirklichkeit über den Haufen zu werfen.

Chi salverà le rose, Italien 2017 - Regie: Cesare Furesi. Buch: Cesare Furesi, Guido Furesi. Mit: Carlo Delle Piane, Lando Buzzanca, Antonio Careddu, Caterina Murino. Pro-Fun, 104 Minuten.

© SZ vom 15.03.2018

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