Kurzkritik Zart und präzise

Das BR-Symphonieorchester mit Diana Damrau im Herkulessaal

Von Andreas Pernpeintner

Natürlich ist die Frage legitim, die manche Zeitgenossen einst umtrieb: Wie konnte Richard Strauss wenige Jahre nach dem Ende der Nazi-Schrecken diese überzeitlich friedlichen "Vier letzten Lieder" komponieren? Eine Antwort ist kaum möglich. Er konnte. Alles an diesen Gesängen - der Begriff "Lieder" führt gewaltig in die Irre - ist von betörender Schönheit. Und besser als Diana Damrau und Mariss Jansons mit dem BR-Symphonieorchester im Herkulessaal kann man sie nicht darbringen. Jansons lässt die Musik homogen fließen; das Orchester spielt zart, licht und mit glasklarer Präzision, lässt alle Nuancen der Instrumentierung leuchten und behält dabei stets einen warmen Grundklang bei. Der passt wunderbar, denn obgleich hier Abschiedsstimmungen verhandelt werden, zaudernd ist die Musik dabei nie.

Diana Damrau ist dafür die ideale Sängerin. Sie widmet den Texten große Aufmerksamkeit, erzählt anmutig - und singt zugleich mit zwingender, dynamisch lebendiger Präsenz. Im dritten Gesang, "Beim Schlafengehn", schließt dies durchaus kräftigere Lautstärkenentwicklungen ein. Bei "Im Abendrot" aber nimmt sich Damrau enorm zurück und lässt ihre Stimme wie einen Teil des orchestralen Gesamtklangs wirken. Das ist bezaubernd.

Das Glück währt nicht ewig. Nach der Pause steht Bruckners Messe Nr. 3 an, und man wird mit solidem Katholizismus eingeräuchert. Der wirkt im kompositorischen Vergleich etwas spröde, gerade, was die Orchesterbehandlung und manche Gesangssoli betrifft. Doch die Solisten Sally Matthews, Karen Cargill, Ilker Arcayürek und Stanislav Trofimov singen angenehm unprätentiös, Arcayürek im reizvollen "Et incarnatus est" überzeugend. Vor allem aber liegt die Wirkung dieser Musik in der hypnotischen Kraft der Chorstimmen und der exquisiten Darbietung durch den BR-Chor begründet. Das gilt für das oftmals gleißende Fortissimo, das gilt für das stille Ende des Agnus Dei.