Kurzkritik Wildes Hüpfen

"Großstadtgeflüster" in der Muffathalle

Von Janna Wolf

"Ich springe echt unglaublich gerne, aber heute darf ich das nicht", verkündete Jennifer Bender, Sängerin von Großstadtgeflüster, zu Konzertbeginn. Wenige Tage zuvor hatte sie sich am Knie verletzt. "Heute müsst ihr für mich mitspringen." Die Aufforderung nahmen die Zuschauer in der ausverkauften Muffathalle ernst. Am Ende des Abends war die Sängerin wohl die Einzige im Raum, die nicht wild auf und ab hüpfte.

Großstadtgeflüster gab sich herrlich unkonventionell. Ihre größten Hits wie "Fickt-euch-Allee" und "Feierabend", die sie deutschlandweit bekannt machten, spielte die Band nicht, wie es üblich ist, als krönenden Abschluss. Sie beendete das Konzert lieber mit schnelleren Songs, bei denen die Leute nicht nur mitsingen, sondern auch mittanzen konnten. Die drei Musiker machten keine Bühnenshow - zumindest keine ernst gemeinte. Es zeigte sich schnell, dass die Band sich selbst auch nicht allzu ernst nimmt. Sängerin Jennifer und Keyboarder Raphael Schalz alberten herum, zelebrierten Outfitwechsel und beschenkten das Publikum mit Kleinigkeiten aus der sogenannten "Moshpit-Wundertüte".

Meist stand jedoch die Musik im Vordergrund, und das war auch gut so. Auf der Tour brachte die Elektropunk-Band "zum ersten Mal", wie Keyboarder Raphael Schalz verkündete, bisher unveröffentlichte Lieder. Oft sind neue Songs bei Konzerten ein Stimmungskiller, nicht so bei Großstadtgeflüster. Die Lieder waren eingängig, absolut tanzbar und so geschickt über den Abend verteilt, dass sie eine gute Abwechslung boten. Der "intelligente und super hochkomplexe Wahnsinnstext" (Großstadtgeflüster) war schnell gemerkt - Mitsingen also trotzdem möglich. Das neue Album soll im Juli herauskommen, die Lieder haben schon Vorfreude geweckt. "Wir machen weiter, solange auf der Bühne mehr Leute stehen als vor der Bühne", verkündete der Keyboarder. Klingt, als ob Großstadtgeflüster noch eine ganze Menge Konzerte geben wird.