Kurzkritik Wenig Mut

Der Wiener Liedermacher Voodoo Jürgens im Volkstheater

Von Dirk Wagner

Harry Belafonte hat mal von sich behauptet, dass er nur singen konnte, wenn er, der sich nämlich vorrangig als Schauspieler begriff, den Sänger nur spielte. Als der österreichische Schauspieler Ludwig Hirsch, der 1973 als Schauspieler am Stadttheater Regensburg debütiert hatte, 1978 mit seinem Album "Dunkelgraue Lieder" erstmals auch als Sänger in Erscheinung trat, spielte er diesen allerdings nicht nur. Stattdessen schauspielerte er sogar als Sänger und verwandelte so seine Songtexte in formvollendete Monologe und alleine vorgetragene Dialoge. Mit gekonnt gesetzten Pausen, die im Münchner Volkstheater leider fehlten, als sie der österreichische Pop-Musikant Voodoo Jürgens zum 40-Jährigen der Platte neu interpretierte.

Wo Hirsch seine Texte nämlich mit bedächtiger Stimme entfaltete und die Hölle, die im Wohlklang seines Vortrags schlummerte, erst offenbarte, wenn die zuvor beruhigten Zuschauer sich ihr nicht mehr entziehen konnten, hetzt Voodoo Jürgens so aufgeregt durch das Programm, als fürchte er den Stillstand wie jene besungene Stille im ersten Song des Abends. "I lieg am Ruckn", beschreibt er darin die Szene. Vier Meter unter der Erde. Allein im nasskalten Sarg. Derweil die ersten Würmer ihn befallen: "Und sie dinieren." Doch weder zum Tempo des Gesangs noch zum hilflosen Fuchteln des Sängers mit seinen Armen will die Beschreibung passen.

Dabei hat Voodoo Jürgens doch mit seinem eigenen Werk schon eindrucksvoll bewiesen, dass er ein würdiger Nachfolger jener Liedermacher ist, die man mit einem betont morbiden Wien assoziiert. Darum hätte es seiner Hommage an Ludwig Hirsch auch gut getan, wenn Voodoo Jürgens noch mehr eigene Lieder ins Programm hätte einfließen lassen als sein "Nachbarskinder" und die wenigen in der Zugabe. Vielleicht hätten sie ihm auch mehr Selbstsicherheit geboten. Stattdessen erstarrt er regelrecht im Schatten des Meisters, dessen Werk er dann doch nicht so recht zu fassen wagt.