Kurzkritik Unterm Sternendach

Olga Peretyako beim Festival "Stars & Rising Stars"

Von Klaus Kalchschmid

Schon zum zweiten Mal war Olga Peretyatko eine der Gastgeberinnen beim Festival "Stars & Rising Stars". In Abendrobe und von Semion Skigin am Flügel begleitet, steckte sie im Literaturhaus ihre beiden erst 30 Jahre alten männlichen Kollegen mit umwerfender Bühnenpräsenz, facettenreichem musikalischem Ausdruck und weiblichem Charme an.

Zusammen mit dem koreanischen Tenor Myungin Lee als Romeo sang sie ein berückendes Brautnacht-Duett aus Gounods "Roméo et Juliette". Und mit ihm als Rodolfo war sie eine so plötzlich wie intensiv verliebte Mimi in Puccinis "La Bohéme", neckte ihn im Trinklied aus Verdis "La Traviata" und verführte ihn da gar zum Walzer. Allein überzeugte er mit der Blumenarie aus "Carmen" und "Che gelida manina" ("La Bohème) überzeugen, vor allem aber mit empfindsamem Ausdruck im verzweifelten Rückblick Lenskis auf sein Leben kurz vor dem Duell in "Eugen Onegin".

Noch mehr Spielfreude und musikalische Überzeugungskraft offenbarten die Russin Peretyatko und der bolivianische Bassbariton José Coca Loza bei Donizetti: im Streit von Norina mit dem alten Don Pasquale, beim Duett zwischen Adina und dem seinen Liebestrank anpreisenden Dulcamara ("L'elisir d'amore") oder in "Lucia di Lammermoor". Ob "La Juive" oder "La Sonnambula": auch in den Arien zeigte Loza eine geschmeidige, in Mittellage und Höhe gut fokussierte, natürlich fließende Stimme und schon reife Gestaltung. Natürlich war Olga Peretyatko ebenfalls solistisch zu erleben: mit der launigen Cavatina der Norina ("Don Pasquale") oder der tieftraurigen Romanze Antonias ("Les contes d'Hoffmann").

Während des bis 1. Juni dauernden dritten "Star & Rising Stars"-Festivals gibt es auch ein "Galakonzert im Odeon": Simone Kermes bietet mit dem Counter-Tenor Etienne Walch, der Mezzosopranistin Idunnu Münch und den Amici Veneziani ein vielfältiges Programm zwischen Purcell und Vivaldi einerseits, Weill und Jacques Brel andererseits.