Kurzkritik Spektakel

Das Ballett Dortmund tanzt "Faust II" als Nummern-Revue

Von Rita Argauer

Auch abseits der Faust-Fixierung, die sich derzeit in München zeigt, beschäftigen sich Künstler immer wieder gerne mit Goethes Monumentaldrama. So auch Xi Peng Wang, Ballettdirektor am Theater Dortmund. Der hat der Tragödie ersten und zweiten Teil für seine Kompanie verchoreografiert. Unter dem Titel "Erlösung!" gibt es Teil II (uraufgeführt im Oktober 2016) nun als Gastspiel im Carl-Orff-Saal. Einen noch stärkeren Bezug zu München als das grundlegende Drama aber haben die ersten Solisten: Lucia Lacarra und Marlon Dino, das Star-Paar des Bayerischen Staatsballetts unter Ivan Liška, tanzen Faust und Helena und sorgen für eine ausverkaufte Vorstellung.

Doch die Rollenzuordnung ist hier eher sekundär. Wang hat aus der welten- und zeitenüberspannenden Vorlage eine lose Nummern-Revue geschaffen, die mehr auf Spektakel denn auf besondere choreografische Einfälle setzt. Dazu passt Lacarras immer noch beeindruckende Technik genauso wie die kräftige Geschmeidigkeit Marlon Dinos. Dann Wilkinson, der dritte Solist des Abends: Er wurde als Mephisto in einen mit etwas ausgelatschten Theatergesten agierenden Unruhestifter verwandelt. Am Anfang erschafft er unter einer Glühbirne einen Homunculus, am Ende wird er von eben dieser Glühbirne erschlagen. Die Erkenntnis siegt über das Böse, doch viel mehr Erkenntnis gibt es leider nicht.

In den gut zwei Stunden dazwischen wechseln sich klassische Corps-Szenen mit Standard-Modern-Technik ab. Warum wann was in diesem großen Potpourri passiert, bleibt eher rätselhaft und damit insgesamt der Rest der Vorstellung Mittelmaß. Oft überschattet die Laser-Lichtshow ohnehin den Tanz. Damit wird dann zwar recht effektreich eine Ozeanüberquerung illustriert, die Geflüchteten-Thematik aber, die darunter liegt, wird dadurch oberflächlich verkitscht und keinesfalls nahbar. So bleibt nicht viel mehr als das Vergnügen, Lacarra und Dino noch einmal live erlebt zu haben.