Kurzkritik Seelendrama

Das Münchner Rundfunkorchester mit Gioachino Rossinis "Sigismondo"

Von Klaus P. Richter

Die Geschichte vom König Sigismondo und seiner ungetreuen Gattin, die aber gar nicht untreu war, sondern nur Opfer einer Intrige, ist so sagenhaft verwickelt, dass man sich besser an die Musik hält. Das konnte man in einer konzertanten Münchner Erstaufführung des seltenen Werkes von Gioachino Rossini: "Sigismondo". 1814 in Venedig wegen des schwierigen Librettos nur mit mäßigem Erfolg uraufgeführt, präsentierte es jetzt das Münchner Rundfunkorchester mit dem Chor des BR und einer glänzenden Sängerbesetzung im Prinzregententheater.

Es ist zwar eine Opera seria, aber Rossini gestaltet die Verwicklungen des polnischen Königs in allerhand unwahrscheinliche Verwechslungen als Seelendrama der Protagonisten: Belcanto als Psychogramm. Das gelang vor allem dank der Sängerbesetzung, allen voran der Koreanerin Hyesang Park (Sopran), die als Gattin Aldimira des psychisch labilen polnischen Königs mit dramatischem Feuer wie mit seelenvoller Sanftheit beglückte und souverän alle Zumutungen des virtuosen Rossini-Idioms meisterte. Aber auch die grandiose Mezzosopranistin Marianna Pizzolato als Sigismondo beindruckte und Kenneth Tarver aus Detroit, Minister des Königs, ergriff immer wieder mit seinem eleganten Timbre als "Tenore di grazia". Die irische Mezzosopranistin Rachel Kelly bezauberte mit ernster Andacht, Gavan Ring (Bariton), Guido Loconsolo (Bassbariton) und Il Hong (Bass) als schützender Vater von Aldimira überzeugten solistisch und in den vielen Ensembleszenen.

Weil viel von der Handlung in den polnischen Wäldern spielt, kam den Hornisten große Bedeutung zu und weil viel in den Rezitativen erzählt wird, dem klangschönen Hammerflügel von Olga Watts. Alle zusammen, dazu der markige Männerchor des Bayerischen Rundfunks aber wurden von der amerikanischen Maestra Keri-Lynn Wilson einfühlsam und mit viel dirigentischer Eleganz aus der Hüfte in dieses großartige Sängerfest geführt. Beifallsstürme.