Kurzkritik Parzivals Faden

Stefan Drückes Gastspiel im Pathos

Von Sabine Leucht

Stefan Drücke hat eine sonore Stimme und einen braunen Wuschelkopf mit schütterem Zentrum. "Hallo", sagt der Schauspieler aus Erlangen schlicht. "Ich bin Parzival." Und dass er dabei so freundlich schaut, ist keine Kleinigkeit, denn die Zuschauerzahl im Pathos ist bereits am ersten von drei Gastspieltagen nur einstellig.

Dabei zieht Drücke mit seiner Musikerkollegin Annegret Enderle, Geige, Harmonium, verbeulten Eimern, einem multifunktionalen Lappen und scheppernder Klappleiter einmal quer durch den ganzen Selbst-, Gral- und Weib-Findungs-Dschungel des "Parzival" - sich selbst in Figuren der Sagenwelt verwandelnd oder gegen sie anrennend wie Don Quijote gegen Windmühlenflügel. Mal im neugierig-naiven Gestus des vom Leben ferngehaltenen Kindes, das der junge Parzival ist. Mal in dem wissenden des neben der Regisseurin Christiane Ahlhelm auch konzeptuell beteiligten Akteurs: "Das war jetzt ein Höhepunkt!"

"Parzival - Ich habe den Faden verloren" ist ein charmant verspielter, improvisationsoffener Abend mit Moritatengesängen à la Brecht, mit denen Enderle musikalisch feinsinnig inhaltliche Überleitungen und szenische Impulse setzt. Und Schauspieler Drücke erkundet mit geradezu selbstvergessener Begeisterung das Verwandlungspotenzial von "Objekten" bis hin zum "spontan" hereingeschleppten Schnee. Doch leider beschreibt der Untertitel des 2015 beim Internationalen Figurentheater-Festival Erlangen uraufgeführten Abends auch den vorherrschenden Eindruck beim Zusehen: "Parzival" ist geradezu schwindeligmachend assoziativ und holt Szene für Szene immer wieder aufs neue Atem. Und kaum dass man richtig hineingeriete in die verwirrend vielschichtige Geschichte, ist sie auch schon zu Ende.