Kurzkritik Monaco reloaded

Der Musikkabarettist André Hartmann im Hofspielhaus

Von Oliver Hochkeppel

Der Kabarettist André Hartmann hat von Natur aus mehr mitbekommen als die meisten seiner Kollegen, nicht nur was Größe und Statur angeht. Er ist vermutlich der musikalischste von allen - als virtuoser, klassisch ausgebildeter Pianist, der aber auch über das Repertoire mehrerer Barpianisten verfügt und so gut improvisiert, dass er aus jedem Zuruf etwas zaubern kann. Er ist der geborene Imitator, der locker in nahezu jede Prominentenrolle schlüpfen kann - was er ja auch schon auf dem Nockherberg als Schröder oder Ude einem großen Publikum demonstrieren konnte. Und er ist ein Großmeister der geschliffenen Rede und des spontanen Wortwitzes. Manchmal ist das fast zu viel des Guten, dann verzettelt sich Hartmann in seinen vielen Talenten.

Er braucht also ein tragfähiges Vehikel für seine Künste, und mit seiner Regisseurin Christiane Brammer - der Chefin des Hofspielhauses - hat er im zweiten eigens für das Haus produzierten Programm ein perfektes gefunden: den Monaco Franze. Helmut Dietls legendäre Fernsehserie gibt mehr als genug Lokalkolorit, Situationen, Figuren und Bilder her, um Hartmann anzutriggern. Schon der Titel lockt zur Verballhornung: Als "Monaco et France" wird er zum deutsch-französischen Freundschaftsabend mit entsprechenden Sprach- und Klavierzitaten, frei nach dem Serienmotto: "A Bizet was geht immer". Da kommt dann auch schon die imaginäre Kapelle zum Einsatz, die Hartmann fortan "begleitet": vom Alphorn übenden Christian Ude über Schröder und Putin, Stoiber und Seehofer bis hin zu Merkel und dem reinkarnierten Rudolph Mooshammer.

So nimmt das Spektakel Fahrt auf. Mal synchronisiert Hartmann mit diesem Personal Szenen der Serie auf der Leinwand neu, mal mogelt er die Titelmelodie der Serie in die komplette Musikgeschichte von Bach bis zu den Beatles hinein; mal leitet er aus den gerade mal zehn Folgen Dutzende von aktuellen Fernseh-Formaten ab, mal baut er eine Zuschauerin ins Geschehen mit ein. Am Ende ist er tatsächlich so etwas wie der legitime Erbe und Enkel des "ewigen Stenz".