Kurzkritik Mit Wucht

Laith Al-Deen kann in der Muffathalle überzeugen

Von Ralf Dombrowski

Würde Laith Al-Deen auf Englisch singen, wäre er längst auf Bühnen in aller Welt zu finden. Denn der Mannheimer hat eine mächtige Soulstimme, die den Vergleich mit der Konkurrenz locker standhält. Er leitet eine Band, die eine wuchtige und vielseitige Rockshow bietet, und er hat Stücke im Repertoire, deren Refrains mit poppiger Leichtigkeit ins Ohr gehen. Doch Laith Al-Deen singt auf Deutsch, aus Überzeugung, schließlich hat die deutsche Sprache seiner Meinung nach in der Musik mindestens ebenso viel zu bieten wie das Englische. Und natürlich ist sie auch ein Alleinstellungsmerkmal - oder war es zumindest, als er zu Beginn des Millennium-Jahrzehnts seinen künstlerischen Weg einschlug.

Seitdem hat Laith Al-Deen einige Stationen hinter sich gebracht, von den tendenziell schnulzigen Anfangsjahren bis zu einer selbstbewusst rockigen Gesamterscheinung. Von "Alles hat seine Zeit" bis "Bleib Unterwegs" führt er sein Publikum durch zweieinhalb Stunden Programm, singt trotz nasaler Diktion mit physischer Wucht und stimmlicher Präsenz, gibt den Musikern seiner Band Raum für solistische Exkurse und schafft es, mit einer humorvoll charmanten, im Kern aber durchaus ernst gemeinten Animation, dass die Menschen im Saal sich gegenseitig anerkennend auf die Schulter klopfen.

Laith Al-Deen wirkt authentisch, wenn er den zwölfjährigen Schüler Levent auf die Bühne holt, den er bei der Talent-Show "Dein Song" betreute, und ihn als Bongo-Trommler in einen Song integriert. Man glaubt ihm die Geschichten über die Liebe, die kleinen Helden und die Botschaften des Miteinanders, die er in seinen Liedern betont - zumindest soweit, wie das bei einem Popkonzert ohne Realitätsverlust möglich ist. Das ist einerseits Entertainment, hat aber einen Funken mehr Überzeugungskraft, als für eine gute Bühnenshow nötig wäre.