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Kurzkritik:Gut gelaunt

Die Grazer Band "Granada" in der Muffathalle

In Berlin wurden sie minutenlang ausgebuht. So konnte man vom Sänger und Gitarristen Thomas Petritsch beim Konzert der Grazer Band Granada in der ausverkauften Muffathalle erfahren. Wieso? Weil selbiger in einem Song "Grüße aus Graz ... nach Scheiß Berlin" singt. Zwar ist das Lied mehr eine Abrechnung mit der Ex-Freundin als mit der deutschen Hauptstadt. Aber wäre die Ex-Freundin im Text nach München anstatt nach Berlin gezogen, hätte man hier wohl ähnlich verstimmt reagiert.

So aber herrscht knapp zwei Stunden lang gute Laune in der Muffathalle, wo Granada ihr zweites Album "Ge bitte" vorstellen. Hier haben die fünf Musiker schon einmal gespielt, genauso wie im Ampere, im Feierwerk, den Arri-Studios und beim Geburtstag der Sängerin Fiva. Weswegen das Konzert fast schon ein Heimspiel ist. Das geschmeidige Österreichisch ist ein weiterer Pluspunkt, den Granada mit leichtfüßigen, leicht wehmütigen Indieklängen mischen, die mal in Richtung Britpop, vereinzelt auch in Richtung Reggae, Afropop oder auch Neue Volksmusik gehen, wenn Alexander Christofs Akkordeon ins Zentrum rückt. Das ist etwa bei dem wunderbaren "Verwoitn" so, das der Gitarrist Lukacz Custos zum Walzertakt mit Vibrato in der Stimme singt und das fast wie ein altes Wienerlied klingt.

Poppige Songs wie "Gin" oder "Berlin" vom neuen Album wirken dagegen mit etwas zu heißer Nadel, das heißt zu simpel und zu sehr auf Eingängigkeit gestrickt, und "Mallorca im Regen" hat schon fast etwas von einem Schlager. Mitsingbar sind jedenfalls fast alle Lieder, was etwa bei "Die Stadt" der Münchner Kneipenchor als Überraschung auf der Bühne vorführt. Bei Stücken wie "Lang is her", "Ka Feia" oder "Ottakring" übernimmt dagegen das textsichere Publikum die Chorstimme. "Buh"-Rufe oder Pfiffe hört man dagegen keine, als sich die fünf sympathischen Österreicher nach einer unterhaltsamen Show und insgesamt vier Zugaben verbeugen.

© SZ vom 13.12.2018

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