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Kurzkritik:Grantelnder Baum

Blanka Rádóczys "Golem schläft" im Akademietheater

Ein Tuch mit Grasbüschelmuster bedeckt in weichen Wellen drei Hügel und wird dahinter zu einer mit Vogelzeichnungen geschmückten Leinwand, auf der Kühe schwanzwedelnd am Trog stehen. Ein fantastisches Bühnenbild hat Blanka Rádóczy für ihre erste Inszenierung im Masterstudiengang mit Studenten der Theaterakademie entworfen. Eigens dafür hat Emanuel Mauthe ein Dramolett verfasst für drei sprechende Hügel namens Sandy, Mandy und Handy, einen sprechenden Baum und eine Frau.

Ein Windstoß bläst das Tuch fort, das fürderhin wie ein riesiger Kimono über der Bühne hängt. Erdmännchenhafte Wesen geistern in Zeitlupe umher und verschwinden in den Hügeln, die uns verkünden, dass alle Dinge und Wesen miteinander verbunden sind. In einem bodenlangen Kleid stolziert die Quasselstrippe Hilly herein und stöhnt, wie anstrengend es sei, ein Mensch zu sein. Sie mag nicht mehr ständig an ihrer "Persönlichkeit arbeiten", will auch "einfach so rumliegen". Sich theatralisch in Diva-Posen werfend hadert sie mit Rollenoptionen und dem "Authentizitätszwang". Allein der schöne Witz, der dabei aufblitzt, verpufft rasch.

Worum es in "Golem schläft" eigentlich gehen soll, verrät das Programmheft, das Bruno Latour und die Revision des Animismus zitiert, spannende Themen, für die sich der Abend jedoch nicht wirklich interessiert. Mauthes Text, der den ewigen Kreislauf der Natur, Partynächte und den Reliquienkult beschwört, ist in den besten Passagen lässig komisch, oftmals aber leider allzu cool geschwätzig. Er wildert auf diversen Diskursfeldern, klaubt dieses und jenes auf, distanziert sich von allem ironisch und mag sich auf nichts einlassen.

Dennoch hat diese skurril verspielte Inszenierung ihren Reiz. Blanka Rádóczy zeigt eindrucksvoll, wie fabelhaft sie es versteht, tolle visuelle Effekte zu kreieren und Bilder atmosphärisch aufzuladen. Der Star des Abends ist der prächtig knarzend grantelnde Baum, der immer wieder für Erheiterung sorgt.