Kurzkritik Gitarrennebel

Built To Spill in den Kammerspielen

Von Jürgen Moises

Klassiker wieder neu aufzuführen, das gehört (oder gehörte mal) zum Kulturauftrag eines Theaters. Insofern passt der Auftritt von Built To Spill in den Münchner Kammerspielen durchaus ins Programm. Denn die Indierock-Band aus dem amerikanischen Idaho brachte dort aus Anlass von dessen 20. Geburtstag das Album "Keep It Like A Secret" zu Gehör. Das ist, okay, vielleicht nicht ganz mit "Macbeth" oder "King Lear" zu vergleichen. Aber mit dem weltumarmendem Post-Grunge-Sound darauf sowie mit klugen Texten schaffte es die Band um Gitarrist und Sänger Doug Martsch damals, dem Indierock ein neues Leben einzuhauchen.

Als Beleg dafür, dass dieser Sound auch heute noch Apologeten findet, könnte man die Band Orua aus Brasilien und Disco Doom aus der Schweiz ansehen, die beide im Vorprogramm von Built To Spill auftraten. Deren Musik mit Anleihen an Indie-, Grunge- und Psychedelic-Rock steht den Klängen von Built To Spill recht nahe. Für Fans von elegischen, ausufernden Gitarrenmelodien waren jedenfalls alle drei Konzerte ein Fest. Das Überschüssige, das bereits im Bandnamen steckt, kam aber dann doch vor allem bei Built To Spill zum Tragen. Etwa bei "Broken Chairs", das mit seinen wehenden Akkorden geradezu epische Ausmaße annahm. So dass danach sogar eines der Effektgeräte ausfiel, weil es wohl kurz Erholung brauchte.

Von "Keep It Like a Secret" spielen der sympathische Backenbartträger Martsch und seine vor Kurzem neu formierte dreiköpfige Band tatsächlich alle Stücke. Im Zugabenteil gibt es auch noch ein paar andere alte Songs sowie Cover von R.EM. und Martschs ehemaliger Band The Halo Benders. Die wörtliche Kommunikation beschränkt sich auf ein paar "Thank you". Stattdessen lassen Built To Spill die Saiten sprechen, lassen sie kreischen, heulen, flirren oder in Form von Hall und Loops akustisch überschlagen, sie hüllen ihre Zuhörer in einen psychedelischen Gitarrennebel ein, der sich erst nach knapp zwei Stunden wieder lichtet.