Kurzkritik Flusen im Kopf

Rolf Miller mit neuem Programm im Lustspielhaus

Von Thomas Becker

Die Helden von Rolf Miller heißen Johann Balhorn der Jüngere und Mrs. Malaprop. Auf den einen geht der schöne Begriff verballhornen zurück, die andere ist eine Figur des britischen Dramatikers Richard Brinsley Sheridan, die mit Fleiß lange, umständliche Wörter verwendet, um besonders schlau zu wirken, diese Wörter aber gerade wegen fehlender Schläue stets völlig falsch gebraucht. Der Terminus technicus namens Malapropismus (aus dem Französischen "mal à propos", unangemessen) beschreibt Millers Kunst des Verschlimmbesserns recht gut.

"Obacht Miller - Se return of se normal one" heißt das siebte Programm des Odenwälders - eine Reminiszenz an den Fußballtrainer Jürgen Klopp, der sich in Abgrenzung zum Kollegen Jose Mourinho ("The special one") "The normal one" nennt. Aber natürlich passt das auch perfekt zu Millers in 20 Jahren antrainierter Bühnenfigur, diesem bräsigen Klischeeschleuderer und Dummschwätzer, der einen Spruch nach dem anderen versemmelt, von Flusen im Kopf faselt, von einäugigen Zwillingen und zweigleisigen Schwertern, von Butterbrot oder Peitsche und der Weihnachtsdroge Krischdl Mess aus der Serie "Baking Bread". Sehr gelungen auch verquere Weisheiten wie "Das Ziel ist im Weg" oder "Man darf nicht immer glauben, was man denkt" - oft erreicht, nie kopiert, wie Miller sagt.

Ähnlich wie bei Gerd Dudenhöffers Malapropisten Heinz Becker tut die Borniertheit des namenlosen Protagonisten fast schon weh, wenn er mit Halbwissen prahlt ("Die Grastrommel von Günter Blech"), politisch korrekt sein will ("Schwarz darf man nicht sagen - das ist negerfeindlich") oder sich an Me Too versucht ("Wenn mich eine Frau belästigt, muss ich dann auch Nein sagen?"). Sozusagen "vom Ding her" ist Miller dann nah an Balhorn dem Jüngeren. Der Lübecker Buchdrucker überarbeitete einst eine Ausgabe des lübischen Rechts, baute dabei aber so hanebüchene Fehler ein, dass es dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt.