Kurzkritik Die Seele berührt

Nils Landgren mit Freunden in der Matthäuskirche

Von Oliver Hochkeppel

Wer derzeit diverse Feiern und Märkte besuchen muss, der kann leicht einen Widerwillen gegen Weihnachtsmusik entwickeln bei all diesem Geklingel, Gesinge und Getöse. Geht er trotzdem zu einem Weihnachtskonzert, muss er darauf gefasst sein, selbst vor einer Kirche lange in einer Schlange zu stehen - wegen der Sicherheitskontrollen. So klang es fast auffordernd und suggestiv, als Nils Landgren, der mit seinen Begleitern 40 Minuten für 800 Meter mit dem Taxi gebraucht hatte, zum leicht verspäteten Konzertbeginn das Publikum fragte: "Habt ihr gute Laune mitgebracht?" Kraft der Erfahrung von sechs "Christmas with my friends"-Touren in zwölf Jahren konnte der schwedische Posaunist und Sänger immerhin darauf zählen, eineinhalb Stunden später manches Gemüt besänftigt, manche Not gelindert und manche Seele berührt zu haben.

Landgrens Weihnachtskonzerte sind konkurrenzlos, zum einen, weil hier tatsächlich gute Freunde in seit zwölf Jahren nahezu unveränderter Besetzung Musik machen; zum anderen, weil sie es im Jazz-Spirit des offenen Miteinanders machen. Jeder, von der Bassistin Eva Kruse über den Gitarristen Johan Norberg bis zum Saxofonisten Jonas Knutsson, kann hier seine herausragenden Fähigkeiten einbringen. Das gilt nicht minder und vor allem auch für die Sängerinnen: Sharon Dyall steht für Blues und Gospel, Jessica Pilnäs für hymnischen Jazz-Pop, Ida Sand für feierlichen Soul und Jeanette Köhn für strahlenden klassischen Liedgesang. Darüber thront Landgren mit seinem weißen Soul, sowohl aus der Kehle wie aus der Posaune.

In immer neuen, anderen Kombinationen weiteten sie den gewohnten Kosmos der Weihnachtsmusik, von Eigenkompositionen wie Landgrens ironischem "Oh No, It's Christmas Again" über die oft jeweils ins andere Genre gedrehten klassischen und jazzigen Weihnachts-Standards bis zum Christmas-Blues ("Merry Christmas, Baby!") und den finalen, fast tränentreibenden Mitsing-Stücken. Eine grandiose Vorstellung.