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Kurzkritik:Balance des Wohlklangs

Bachs Weihnachtsoratorium mit dem BR-Chor

Das Prinzregententheater ist wohl in München der beste und schönste Ort, um das Weihnachtsoratorium von Jo-hann Sebastian Bach mit einem Original-klangorchester und einem nur 40-köpfigen Chor in einem vergleichsweise intimen Rahmen aufzuführen. Das Heilsgeschehen um Christi Geburt hat man daher auch selten so unmittelbar und so berührend erlebt wie hier unter Leitung von Howard Arman mit dem Kammerorchester Basel, dem Chor des Bayerischen Rundfunks und vier exzellenten Solisten.

Wie meist üblich, wurden die Kantaten Eins bis Drei und Sechs gekoppelt, was zwar die Symmetrie stört, aber einen brauchbaren Kompromiss darstellt zwischen einer nur hälftigen oder einer langen Gesamtaufführung. Außerdem lässt nach den Kantaten für die drei Weihnachtstage diejenige für Epiphanias mit Herodes' Auftritt schon die Passion anklingen, und der üppig auskomponierte Schluss-Choral setzt ein dezidiertes Ende. Was aber soll man bei dieser rundum gelungenen Aufführung mehr preisen: die Balance zwischen Instrumentalem und Vokalem oder die bestechende Natürlichkeit und den feinen Klang des BR-Chors, gepaart mit Prägnanz bei jedem Wort; die traumhafte Wärme der Holzbläser, den zarten Flötenton oder den bronzenen Glanz der Trompeten, den herbsüßen Streichklang oder das lebendige Continuo von Orgel und Cembalo mit Cello beziehungsweise Kontrabass?

Julian Prégardien war schlicht der per-fekte Evangelist. Nur scheinbar neutral erzählte er mit bestechend schönem Tenor, durfte aber auch wunderbar flexibel und ausdrucksvoll zwei Arien singen. Andreas Wolf gab mit betörendem Bassbariton einer Arie wie "Großer Herr und starker König" oder diversen Accompagnati eine so männlich direkte wie expressiv bewegende Aura. Ulrike Malotta blieb mit schlankem Mezzo vielleicht allzu zurückhaltend, während Christina Landshamer im Duett mit Andreas Wolf oder durch ihre große Arie im sechsten Teil herausragte. Großer Beifall für alle.