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Kurzkritik:Am Lagerfeuer

Neil-Young-Hommage am Metropoltheater

Sprache ist ein Weglassen von Wörtern. Und wollte man mit ihr in anderthalb Stunden die Bedeutung Neil Youngs erläutern, müsste man gleich ganze Sätze weglassen. Darum ist es erst mal eine weise Entscheidung dreier Ensemble-Mitglieder des Metropoltheaters, in ihrer Verbeugung vor dem "Godfather of Grunge" dessen Wirken statt mit Erläuterungen mit liebevoll arrangierten Reproduktionen seiner Hits zu skizzieren.

Für kleine musikalische Akzente kommen außer dem bestimmenden Klavier des Arrangeurs Andreas Lenz von Ungern-Sternberg und den Gitarren der Schauspieler und Musiker Thomas Schrimm und James Newton im ausverkauften Café des Metropoltheaters auch ausgefallenere Instrumente zu Gehör. Etwa die Röhrenglocken in "A Man Needs A Maid", die hier stellvertretend für Jack Nitzsches Orchestrierung der ersten Studioveröffentlichung des Young-Klassikers pointiert zum Einsatz kommen. Mit solcher Liebe zum Detail gelingt den Protagonisten oft eine überraschende Nähe zum Original. Zur einer Verbeugung vor Neil Young, als die das Programm "Out Of The Blue" angekündigt ist, fehlen aber trotzdem gut recherchierte Erläuterungen seines Schaffens.

Es fehlen die Hinweise auf dessen politisches Wirken. Auf seine Positionierung gegen Nixon, deretwegen auch mal die Crosby Stills Nash & Young-Single "Ohio" in US-amerikanischen Radiostationen boykottiert wurde. Gegen Bush, den Irak-Krieg und Monsanto. Es fehlen Hinweise auf Youngs soziales Engagement, wenn er zum Beispiel mit einem jährlichen Benefizfestival in Armut geratene Farmer unterstützt. Sowie es überhaupt an biografischen Daten fehlt, die über die wenigen gelieferten Stichworte für die ohnehin Informierten hinaus gehen.

Dabei hätte genau in solcher Aufbereitung von Informationen die Theaterkompetenz der Schauspieler zur Geltung kommen können. So bleibt ein netter Liederabend, den man genauso an manchen Lagerfeuern genießen kann.