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Kunstwochenende in München:Neue Attraktion

Mit "Various Others", einem Zusammenschluss aus Galerien, allen wichtigen Museen und Institutionen, will man der Münchener Kunst- und Galerieszene zu besonderem Glanz verhelfen.

München, das in den Rankings immer wieder zu einer der lebenswertesten Städte der Republik gewählt wird, droht an seiner Selbstgenügsamkeit zu ersticken. Das berühmte "mia san mia" mag den Fußballern des FC Bayern noch genügen, die Kunstszene Münchens hat mit dieser Haltung kontinuierlich an Bedeutung verloren. Wie schwierig es ist, den hiesigen Museen und Institutionen einen einheitlichen Auftritt und eine gemeinschaftliche Vermarktung zu verschaffen, zeigt etwa das langjährige Gewürge um das Kunstareal. Langsam nur haben staatliche wie städtische Häuser sowie private Galerien, die im Areal ansässig sind, zu einer gemeinsamen Haltung gefunden. Doch von einer selbstbewussten Behauptung wie in Berlin mit der Museumsinsel oder in Wien mit dem Museumsquartier ist man in München noch immer meilenweit entfernt.

Die internationale Beteiligung auf Galeristenseite ist durchaus vielversprechend

Dazu haben sich die Galerien für zeitgenössische Kunst viel zu lange im Glanz früherer Tage gesonnt - und dabei den Anschluss verpasst. Andere Städte rufen mit einigem Getöse ihr Gallery Weekend aus, München pflegt seit 30 Jahren sein Open-Art-Wochenende. Der Zauber, der einst von der Maximilianstraße ausging, als zahlreiche Galerien mit Rang und Namen dort ansässig waren und Kunstinteressierte regelmäßig zu den Eröffnungen lockten - dieser Zauber ist dahin.

Die Galerien sind über die Stadt verteilt, auch wenn das bei einer so überschaubaren Größe wie der Münchens nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Und wenn man in diesen Septemberwochen auch hier zum Saisonstart einlädt, pilgern zahlreiche kunstinteressierte Münchner durch die Galerien.

Doch nur Münchner, das ist einer Initiative nicht genug, die an den Start gegangen ist, um die Kunstszene der Stadt aus der Selbstgenügsamkeit zu befreien und mit Internationalität gegen die Provinzialität anzukämpfen. "Various Others" heißt der auf einem Verein basierenden Zusammenschluss, dessen letztjähriger Versuchsballon durchaus vielversprechend, aber noch ein wenig unbeholfen wirkte. Für Various Others haben sich einige aufstrebende und einige alteingesessene Galerien mit ein paar Off-Spaces und Projekträumen sowie allen wichtigen Museen und Institutionen für zeitgenössische Kunst zusammengetan. Sie haben internationale Künstler und Partnergalerien eingeladen und hoffen nun, verstärkt global agierende Sammler nach München locken zu können. Künstlergespräche, Panels, Partys und Performances sowie ein VIP-Programm mit Empfang und Besuchen bei ausgewählten Sammlern sollen für eine dichte Taktung sorgen.

Die internationale Beteiligung auf Galeristenseite ist durchaus vielversprechend: Barbara Gross hat sich Hollybush Gardens und Sperling die Galerie Emalin, beide aus London, geholt. Sabine Knust hat Attercliffe TM aus Sheffield, ein kuratorisches Projekt des Künstlers Paul Morrison, eingeladen. New Yorker Gäste sind bei Christine Mayer (Goldie's Gallery), Deborah Schamoni (MX Gallery) und Klüser (Sperone Westwater). Rüdiger Schöttle überlässt seine Räume dem chinesischen Künstler Ding Yi, der gemeinsam mit seiner Galerie Shangart eine Solopräsentation konzipiert hat.

Jo van de Loo hat die Produzentengalerie Hamburg zu Gast, Nir Altman kooperiert mit der Galerie Tobias Naehring aus Leipzig. Und Jahn und Jahn haben sich nach thematischen Gesichtspunkten verschiedene Gastkünstler und -galerien eingeladen: Gavin Brown's Enterprise aus New York und Rom, Kraupa-Tuskany Zeidler aus Berlin und Conradi aus Hamburg.

Von den drei beteiligten Off-Spaces arbeitet Ruine mit dem Künstlerkollektiv Wisdom Warriors aus Lissabon zusammen, Loggia hat Mélange aus Köln und Sabot aus Rumänien zu Gast und Lothringer13_Florida kooperiert mit Künstlern aus São Paulo. Der Kunstverein eröffnet ebenso seine Ausstellung von Diamond Stingily im Rahmen von Various Others wie der Kunstraum, der den koreanischen Künstler Sun Mu präsentiert, und das Espace, das im Oktober mit der Ausstellung "Coming Of Age" das Programm von Various Others beschließt. Zudem sind mit Neueröffnungen im Lenbachhaus (Senga Nengudi), im Haus der Kunst (Markus Lüpertz) und in der Sammlung Goetz (Tutto) sowie Künstlergesprächen, Diskussionen und Installationen im Museum Brandhorst, der Pinakothek der Moderne und der Villa Stuck alle große Museen dabei.

Will man dem Gallery Weekend Berlin nacheifern? "Nein", sagt Vereinsvorstand Tim Geissler, "das ist kein Vorbild". Das Kunstwochenende, das vor einigen Jahren München als Galeriestandort reanimieren sollte, habe das erfolglos versucht. Various Others will anders sein als alles bisherige - auch wenn man die einige Ideen von bestehenden Formaten abgeschaut zu haben scheint.

Die Vienna Art Week, bei der sich Museen, Galerien und unabhängige Ausstellungsräume mit einem Auktionshaus zusammengetan haben, hat einen ähnlichen Ansatz, ist aber mit 70 Programmpartnern und mehr als 200 Veranstaltungen ein seit 2005 gewachsenes Kunstfestival gewaltigen Ausmaßes. Auch das ebenfalls in Wien seit zehn Jahren bestehenden Format "Curated by", bei dem Galeristen sich externe Kuratoren holen, trifft nicht die Herangehensweise von Various Others. Und "Condo", 2016 in London gegründet, setzt ausschließlich auf den Austausch mit Partnergalerien und funktioniert - "fast wie ein Franchiseprinzip", wie Geissler meint - mittlerweile auch in New York, Mexiko City, Shanghai, São Paulo und Athen.

"München darf nicht in Schönheit sterben."

Vergleichen ließe sich Various Others vielleicht am ehesten mit dem Zürich Art Weekend. Unter dem Dach von ZAW gehen seit zwei Jahren im Vorfeld der Art Basel Museen, Galerien und Off-Spaces Kollaborationen mit Universitäten und Kunsthochschulen ein. Die Galerien schaffen es - dank einiger Züricher Platzhirsche, die global agieren - die eigene Kunstszene zu pushen. Und gewisse Parallelen ließen sich noch zur Berlin Art Week ziehen. Diese ist ein Verbund großer Museen und Ausstellungshäuser mit Kunstvereinen, privaten Sammlungen, Projekträumen und Galerien ist, wird aber zum einen noch durch zwei Kunstmessen verstärkt und ist zum anderen einfach deutlich größer.

Dass der Auftakt von Various Others nun parallel zur Berlin Art Week stattfindet, ist unglücklich. Das will man im kommenden Jahr möglichst vermeiden. Doch die Beweglichkeit der Münchner ist begrenzt, weil nach den Ferien kaum Zeit bleibt, bis das Oktoberfest beginnt. Und das scheuen die Galerien wie der Teufel das Weihwasser. Für das internationale Publikum ist ein attraktiver Auftakt wichtig. Doch für das lokale Publikum will man bis Oktober ein interessantes Angebot machen. Various Others hat sich aufgemacht, die Münchner Galerieszene zu retten. Denn wie Sarah Haugeneder, Vorstandsmitglied von Various Others, sagt: "München darf nicht in Schönheit sterben."

Various Others, Eröffnungswochenende 12. bis 16. September, anschließend bis 13. Oktober. Alle Programminfos unter www.variousothers.com