Kunst Wer klopfet an?

Das neue, vom Verein Positive Propaganda initiierte Street-Art-Projekt in München von Ericailcane.

(Foto: Hanna Sturm / Positive-Propaganda e.V.)

Der italienische Street-Art-Künstler Ericailcane hat im Westend ein Mural zur Gentrifizierung realisiert

Von Evelyn Vogel

Sture, miteinander streitende Esel, ein riesiges, besitzergreifendes Krokodil, kindhafte Fabelwesen, die ihr Recht auf eine Behausung behaupten oder ein Gorilla, der, mit einer Kamera bewaffnet, auf die Passanten heruntergrinst. Immer sind es Tiere oder tierartige Wesen, die der italienische Street-Art-Künstler Ericailcane darstellt, um seine Konsum- und Kapitalismuskritik zu formulieren. Und das weltweit. Nun hat er erstmals in München eines seiner tierischen Murals realisiert. Seit Sonntag leuchtet sein neuestes Werk von einer Hauswand in der Tulbeckstraße im Westend herab. Fünf Tage hat er auf Einladung des Vereins Positive Propaganda daran gearbeitet. Thema ist die Gentrifizierung.

Die Wandarbeit ist wie eine Fabel zu lesen. Der rücksichtslose Investor, dargestellt als Specht mit goldenem Krönchen, hat in das (Baum-)Haus ein großes Loch geschlagen, frisst die Larven der Ameisen, die zunächst flüchten, sich dann zum Widerstand formieren und sich schließlich mit den Glühwürmchen verbünden, um gemeinsam gegen die Gentrifizierungspläne zu kämpfen. Die Moral von der Geschichte ist simpel, aber deshalb nicht weniger wahr: Nur gemeinsam kann man sich gegen rücksichtslose Investoren verteidigen.

Ericailcanes anthropomorphen Darstellungen sind wissenschaftlich präzise gezeichnet und immer mit sozialen und ökologischen Botschaften aufgeladen. Mitunter fühlt man sich an die Darstellungen des französischen Zeichners Grandville erinnert. Neben überdimensionalen Wandbilder zeichnet und collagiert der italienische Künstler auch im kleinen Format. Angefangen hat er mit Graffiti in Bologna, wo er an der Kunsthochschule studiert hat. Geboren ist er "um 1980", mehr verrät er nicht. Seit 1999 malt Ericailcane seine Murals im öffentlichen Raum und hat Projekte mit renommierten Street-Art-Künstler wie Blu und Banksy realisiert.

Für den in der Maxvorstadt beheimateten Verein Positive Propaganda ist es das fünfte Projekt, das in diesem Jahr verwirklicht werden konnte. Unterstützung erhält der Verein seit einiger Zeit vom Kulturreferat. Demnächst hofft man, eine institutionelle Förderung zu erhalten. Das wäre neu für die One-Man-Show von Vereinsvorsitzendem Sebastian Pohl. Aber der kann ja auch ganz schön stur sein, wenn es um sein Anliegen geht.