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Kunst:Simon Denny in Düsseldorf

Simon Denny
Extractor, 2019
(Foto: JESSE HUNNIFORD)

Von Till Briegleb

Vor einer Woche trat der Vorsitzende von Rio Tinto zurück, weil sein Unternehmen eine 48 000 Jahre alte Kultstädte der Aboriginies für den Erzabbau gesprengt hatte. Dieser weltweit agierende Rohstoffkonzern, dessen Geschichte mit der rücksichtslosen Vergiftung und Erschießung spanischer Minenarbeiter im 19. Jahrhundert begann, und der mit seinen Methoden auch schon mal einen Bürgerkrieg in Papua-Neuguinea verursacht hat, ist Sinnbild für janusköpfiges Unternehmertum. Als drittgrößte Bergbaufirma der Welt schafft Rio Tinto von Aluminium über Kohle bis Uran alles Material an die Oberfläche, das die Wirtschaft zum Arbeiten braucht. Die Landschaft kann man aber danach wegwerfen.

Deswegen traut man solchen Unternehmen alles zu. Und damit spielt der australische Künstler Simon Denny in seiner Ausstellung "Mine", ein Wortspiel mit den Bedeutungen "Meins" und "Bergwerk", im Museum K21 in Düsseldorf. Betreibt Rio Tinto wirklich digitale Phrenologie, bei der Künstliche Intelligenz die Schädel von Stellenbewerberinnen und -bewerbern vermisst? Müssen die Kumpels des Konzerns Armbänder tragen, die ihre Erschöpfung messen? Und arbeitet der Konzern tatsächlich an der Abschaffung des menschlichen Arbeiters für einen vollautomatisierten Bergbau? Denny inszeniert seine Perspektive als Spielzeugmesse für ethische Schlüsselfragen. Bunte Werbespots werben für die Gadgets der Totalüberwachung. Der Autobot Bumblebee aus "Transformers" macht den staunenden Humanoiden mit Helm überflüssig. Im Open-World-Spiel "Minecraft" hat Denny das Kulturmonument deutscher Kohlewirtschaft, die Zeche Zollverein, im typischen Klötzchen-Design gebaut, wo die Schau digital besucht werden kann. Und in Aufstellern findet sich das komplizierte, für diese Ausstellung entwickelte Brettspiel "Extractor", ein Monopoly für die Computerisierung der Rohstoffindustrie.

Diese unterhaltsame Verkaufe realer Umweltzerstörung schafft bewusst Unklarheit zwischen Schein und Sein, lässt den Besucher im Ungewissen über den Fortschritt der Bedrohung, die Künstliche Intelligenz im Rennen um Bodenschätze bedeutet. Und das Unbehagen ist für die Suche nach kritischer Haltung Gold wert.

© SZ vom 19.09.2020

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