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Kunst:Lüpertz im Angebot

Die übermalte Bronzeplastik "Bremer Stadtmusikanten" hat Markus Lüpertz 2014 geschaffen. Die Skulptur hätte in Bremen Platz finden sollen.

(Foto: Toni Heigl/VG Bild Kunst Bonn 2015)

Das Dachauer Kaufhaus Rübesamen zeigt in seinem Keller eine große Zahl von Werken des Künstlers

Direkt oberhalb des Eingangs zur Markus-Lüpertz-Ausstellung posieren Schaufensterpuppen in reizvollen Dessous. Unten empfangen zwei weitere Figuren in neuer Herbstmode die Besucher. Wenn das kein ideales Ambiente für einen Maler ist, der so viel Wert auf gute Kleidung legt. Auch wenn er lieber maßschneidern lässt, statt von der Stange zu kaufen, ist es ein Glücksfall, dass es dem Dachauer Kunstsammler Josef Lochner gemeinsam mit dem Förderverein Wasserturm gelungen ist, das Untergeschoss des Kaufhauses Rübesamen anzumieten und dort 131 Werke von Markus Lüpertz auszustellen.

Fein säuberlich hat sein Helferteam die Regaldübel zugegipst und überstrichen. Aber die Keller-Atmosphäre ist geblieben, auch wegen der schmucklosen Leuchtstoffröhren, die die Bilder ziemlich unbarmherzig beleuchten, ihrer unwiderstehlichen Kraft aber nichts anhaben können. An den Wänden hängen Kohlezeichnungen, Gouachen, Radierungen, Holzschnitte aus den vergangenen 25 Jahren, alles sehr dicht, aber doch mit einem gewissen Rhythmus. Dazu im Raum verteilt ein knappes Dutzend der hinreißenden, farbig bemalten Bronzebozzettis, meist Vorstudien für später ausgeführte große Skulpturen.

Die ganze Ausstellung wirkt wie ein Beleg für Lüpertz' Behauptung, der Kunstmarkt sei ihm ziemlich egal. "Hauptsache, es kommt genügend Geld rein, damit ich weiterarbeiten kann", sagte der 74-Jährige vor kurzem in einem Zeit-Interview. Fehlt eigentlich nur noch der Schriftzug "Alles muss raus" oder der Hinweis auf Sonderangebote, etwa auf die vergleichsweise günstigen Konzertplakate: Lüpertz entwirft für jedes Jazzkonzert, das er mit seiner Band TTT spielt, ein eigenes Plakat. Davon sind in der Dachauer Ausstellung eine ganze Menge vertreten.

Aber auch seine knorrigen, abstrahierten Figuren sind da, ungefällig zwar, aber doch unglaublich sinnlich. Oft handelt es sich um antike Motive, die er expressiv verformt, aufsplittert und neu entdeckt. In seinem künstlerischen Weltbild hat vieles Platz, Mythen genauso wie deutsche Geschichte oder die Halbzeit eines Fußballspiels. Alle Werke sind undatiert, weil Lüpertz, 28 Jahre Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, hofft, dadurch die Zeit anhalten zu können.

Auf die grundsätzliche Auswahl der ausgestellten Werke habe er keinen Einfluss gehabt, sagt Lochner, der aus eigenen Beständen einiges beisteuerte. Galerist Gundolf Roy (Zülpich) lieferte ihm 150 Arbeiten, aus denen die beiden gemeinsam die Schau zusammenstellten. Lochners Liebe zur zeitgenössischen Kunst ist noch vergleichsweise jung. Jahrelang hatte er sich auf Ludwig Dill, einen berühmten Vertreter der Dachauer Künstlerkolonie, spezialisiert. Aber inzwischen sammelt er auch Beuys-Grafiken und Lüpertz natürlich. Und weil ihn die Lüpertz-Ausstellung des Neuen Kunstvereins in Pfaffenhofen vor einem Jahr so begeisterte, beschloss er, den Künstler nach Dachau zu holen.

Auch ohne Konzert muss man in der Schau nicht auf den Lüpertzschen Free Jazz verzichten. Die atmosphärisch gelungene Filmdokumentation des Dachauer Fotografen Werner Bauer liefert den akustischen Hintergrund. Und verwandelt den Kaufhauskeller sofort in einen Jazzkeller.

Markus Lüpertz - Grafiken, Gouachen und Skulpturen, noch bis 27. September, geöffnet täglich 14 - 18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Pfarrstraße 1, Dachau

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