Kunst gegen Unterdrückung in Iran:Die Erinnerung an einen Missbrauch

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Wie stehen Sie heute zu Iran?

Die Beziehung zu meinem Heimatland ist zwiespältig. Einerseits habe ich schöne Erinnerungen an ganz bestimmte Orte und Beziehungen zu wunderbaren, engagierten Menschen, die weiterhin dort leben. Die Anwältin Nasrin Sotudeh, die auch in Jafar Panahis Film vorkommt, ist zum Beispiel eine enge Freundin von mir. Als ich in Teheran war, habe ich immer wieder bei ihren Sitzstreiks vor der Anwaltskammer mitgemacht. Außerdem hat Iran wunderbare Poeten und Literaten und überhaupt eine sehr reiche Kultur, mit der ich mich sehr verbunden fühle.

Und auf der anderen Seite?

Andererseits ist es die Erinnerung an einen Missbrauch. Das ist eine Bürde. Mit diesen Widersprüchen versuche ich umzugehen, zu arbeiten und die Zweifel und die Verzweiflung, die entstehen, zu thematisieren. Meine innere Zerrissenheit ist mein Antrieb als Künstlerin.

Entdecken Sie diese Ambivalenz auch in den Arbeiten von anderen iranischen Künstlern?

Ich denke, es geht vielen so, die vor Kurzem das Land verlassen haben. Wenn man damit konfrontiert ist, dass ein klischeehaftes Bild von Iran die Köpfe beherrscht, geht man erst mal in eine Abwehrhaltung. Man sagt ständig Sätze wie: "Nein, das ist nicht so. Es gibt auch noch andere Dinge!" Man muss aufpassen, dass man nicht selbst zu einem Klischee wird und unbedingt vieles verteidigen will und die Misere so relativiert.

Man will also kritisieren, aber das eigene Land nicht verraten?

Es ist auf jeden Fall eine sehr ambivalente Situation, der viele Iraner ausgesetzt sind. Aber in dieser Widersprüchlichkeit steckt ja auch ein großer künstlerischer Reichtum.

Wie greifen Sie dies in Ihrer Kunst auf?

Ich schaffe Ambivalenz. Für die Ausstellung "Common Grounds" in München habe ich zum Beispiel eine Tapetenwand gezeichnet. Von Weitem sah man zunächst nur große, bunte Schmetterlinge. Wenn man näher heranging, sah man, dass die Schmetterlinge mit gepeinigten, leidenden Körper ausgefüllt waren. Das Schöne und Ästhetische bleibt weiterhin schön, stellt aber auch gleichzeitig einen Schreckensmoment dar. Der Betrachter soll sich fragen: Was sehe ich hier? Er soll sich mit sich selbst auseinandersetzen.

Hat sich seit dem Amtsantritt von Hassan Rohani im Juni 2013 viel für Kulturschaffende geändert?

Es gibt weniger Zensur. Aber die Hingabe zur neuen Politik ist eine Gefahr, weil sie manchmal zu einer stärkeren Selbstzensur führt. Zum Beispiel gab es neulich ein Fest zum Ramadan, zu dem der Präsident eingeladen hatte, und da sind viele Kulturschaffende hingegangen, die früher nie an solchen Anlässen teilgenommen haben.

Sie fürchten zu viel Nähe zur Regierung?

Die Distanz der Kulturschaffenden zu diesem System wird geringer. Natürlich wirkt die Euphorie im Land über das abgeschlossene Atom-Abkommen positiv. Trotzdem brauchen Künstler eine gesunde Distanz zum Regime. Denn es ist kein freies Regime, sondern ein diktatorisches, ideologisches System, in dem Andersdenkende weiterhin der Zensur unterliegen. Wenn diese Distanz klein wird, profitiert die Macht und nicht die Kulturschaffenden.

Zuletzt beschäftigte sich Parastou Forouhar mit Flüchtlingen, die an Europas Grenzen scheitern. Vom Kunstzentrum "Brodsky Center" der State University in New Jersey (USA) erhielt sie ein Stipendium und arbeitete für einige Monate in deren Druck- und Papierwerkstätten. Vom 11. September 2015 an wird eine Auswahl der entstandenen Werke in der Galerie Karin Sachs in München zu sehen sein. Weitere Arbeiten sind vom 13. September 2015 an in der Evangelischen Stadtakademie München zu sehen.

Zeit der Schmetterlinge

Von Nahem sieht man in der Installation "Zeit der Schmetterlinge" Menschen, die körperlich leiden. Parastou Forouhar, Museum Villa Stuck, München

(Foto: Nikolaus Steglich)
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