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Komödie:Ente gut, alles gut

John (Anton Tennet, links) und sein Doppelgänger beim Versuch eines Raubüberfalls.

(Foto: Pandastorm)

Die neuseeländische Doppelgängerkomödie "Mega Time Squad" erzählt von einem Jugendlichen, der sich mit diversen Gangstern und Dämonen anlegt.

Von Doris Kuhn

Es gibt im Kino eine Wellenbewegung bei manchen Themen. 3-D kommt immer mal wieder, aber das ist die technische Seite. Inhaltlich sind es nach den Pferdefilmen derzeit die Doppelgänger, die auffällig werden. Marcus H. Rosenmüllers Kinderfilm "Unheimlich perfekte Freunde" verdoppelt die Hauptfiguren, Teenie-Star Ansel Elgort spielt in "Jonathan" verschiedene Versionen seiner selbst, das omnipräsente Superhelden-Genre benutzt sowieso gern eine Alltagsperson und ihre magische Zweitausgabe.

Diese Woche ist es eine neuseeländische Komödie, die sich dem Thema widmet. In "Mega Time Squad" wird groß gedacht: Hier kriegt man Doppelgänger bis man schwindlig wird, denselben Jungen fünf, sechs, zehn Mal, es wird fast ein bisschen unübersichtlich, man kommt kaum mehr mit, wie oft es ihn gibt. Allein der Gedanke, mal richtig Menge zu zeigen, ist fantastisch. Zusätzlich aber wird mit dieser Menge noch ein virtuoses Spiel getrieben. Es gibt Sequenzen, da schleicht der Junge in etlichen Ausgaben durch ein Haus, dabei wird er von den hauseigenen Überwachungskameras aufgenommen. Man sieht also im Kontrollraum parallel auf mehreren Monitoren, wie er sich in mehreren Zimmern mehrfach selbst begegnet.

Natürlich sind diese Doppelgänger nicht im Dienste des Guten unterwegs. Sie alle sind derselbe eher dämliche Jugendliche, der eine Verbrecherlaufbahn plant. Anfangs ist dieser John für den nicht minder dämlichen, aber deutlich unsympathischeren Gangster Shelton tätig, der ihn losschickt, beim chinesischen Antiquitätenhändler das Drogengeld zu stehlen, das die lokalen Triaden dort aufbewahren. John kauft sich eine überlebensgroße Entenmaske und bedroht den Chinesen, der vor so viel Ente klein beigibt. Erst als John auch ein herumliegendes Holzperlenarmband mitnimmt, warnt er ihn: damit werde John einen Dämon hervorrufen. Vorerst aber ruft John bloß die Schergen von Shelton hervor, denn statt das Geld abzuliefern, will er es unterschlagen.

Die Hollywood-Lehre, dass der Mensch sich bessern kann, wird stoisch ignoriert

Bei der Flucht vor Sheltons Strafkommando entdeckt John, was in dem Armband steckt: Man kann damit in der Zeit zurückspringen. Nicht allzu weit, ungefähr eine Viertelstunde, aber das reicht, um aus brenzligen Situationen zu verschwinden - zack, raus aus dem Schwitzkasten der Verfolger, 15 Minuten früher wieder rein in die Geschichte. Hier liegt auch der Ursprung dieser Doppelgänger-Parade, denn Regisseur Tim van Dammen bedient sich dafür bei der Zeitreise. John, zurück in der Vergangenheit, landet nicht mitten im Geschehen sondern guckt von außen zu. Derjenige, der alles noch einmal erlebt, ist der nächste John. Was in der Konsequenz nicht nur zu mehr Johns, sondern zu einem jeweils neuen Ablauf der Geschichte führt.

Die zunehmende Anzahl der Johns ist beim Wettbewerb um die geklaute Geldtasche teilweise von Vorteil. Allerdings ist es natürlich John, der hier in Masse auftritt, und John ist einer, der hauptsächlich unbedachten Blödsinn macht. Deshalb wird der "Mega Time Squad" - die Bande, zu der sich die Johns zusammenschließen - dann doch kein Volltreffer. Der klassische Hollywood-Ansatz, dass die Hauptfigur sich im Laufe eines Films zum besseren Menschen entwickelt, wird nonchalant ignoriert. In Neuseeland gibt es Zeit und Raum genug, dass alle Johns mit allen Fehlern entspannt durch einen Film schlittern dürfen. Eine Haltung, die Tim van Dammen mit Hingabe ausbaut, wobei er sich dem kindischen Slapstick lieber widmet als dem Thriller-Aspekt.

Das vielfache Auftreten derselben Person wird dabei nur kurz als Zauberei ernst genommen und gar nicht als familiäres Glück, sondern wirkt bald bedrohlich. Die Bande aus Johns wirft relativ schnell die Frage auf, ob man wirklich mit mehreren Ausgaben des eigenen Ichs gemeinsam ein Risiko eingehen möchte. Letztlich stellt "Mega Time Squad" anschaulich klar, was man im Leben oft erfährt und sofort wieder vergisst: Man kann sich selbst einfach nicht trauen.

Mega Time Squad, Neuseeland 2018 - Regie, Buch: Tim van Dammen. Mit Anton Tennet, Jonny Brugh, Hetty Gaskell-Hahn. Pandastorm Filmverleih, 86 Minuten.

© SZ vom 18.04.2019
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