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Klassik-Skandal:Aussöhnung statt Aufklärung

Das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und ihr Ex-Dirigent Daniele Gatti legen einen Streit bei, ohne ihn zu lösen.

Das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und ihr ehemaliger Chefdirigent Daniele Gatti, Jahrgang 1961, haben Frieden geschlossen. Im vergangenen Sommer beklagten Musikerinnen ein "unangemessenes" Verhalten ihres Chefs, unmittelbar nachdem zwei Sängerinnen in der Washington Post berichtet hatten, dass sie von Gatti sexuell belästigt worden seien. Gatti entschuldigte sich für ein mögliches Fehlverhalten, sprach von gegenseitigem Interesse. Das Orchester aber reagierte sofort, entließ Gatti fristlos. Seither stehen die Vorwürfe ungeklärt im Raum. Was die römische Oper nicht daran hinderte, Gatti im Dezember zu ihrem Musikchef zu machen. Allerdings meldete er sich zeitgleich krank, sagte auch die dann von Zubin Mehta übernommene prestigeträchtige Aufführungsserie mit Giuseppe Verdis "Otello" bei den Berliner Philharmonikern ab (siehe SZ vom 23. April). Die jetzt vom Orchester herausgegebene, für beide Seiten irreversible Presseerklärung ist kurz und dürftig. Man wolle in die Zukunft blicken, Gatti wird als "wichtig" fürs Orchester bezeichnet und jetzt mit drei CDs geehrt. Das soll es gewesen sein, kein Wort zu den Vorwürfen, Schwamm drüber und aus. Das ist unbefriedigend, hat nichts mit Transparenz zu tun und lässt alle, das Orchester wie Gatti und die sich beklagenden Frauen, in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Wichtig ist in der Klassik halt nur, dass weiterhin gefiedelt und getrötet wird.