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Kindergeschichte:Hühnergötter

Kirsten Boies Helden sind zurück in Sommerby, wo sie wieder der Oma gegen den Immobilienmarkler helfen.

Von Verena Hoenig

Eine Milchtankstelle, Starenschwärme, Brandungsangeln und Lochsteine, die "Hühnergötter" genannt werden. So vieles können Martha, Mikkel und Mats an der Schlei, einem Meeresarm der Ostsee, noch entdecken. Nach einem Aufenthalt im Sommer verbringen die Geschwister nämlich nun auch die Herbstferien bei ihrer Großmutter Inge in dem abgelegenen Haus in Sommerby. Dort gibt es zwar weder Telefon, Geschirrspüler noch Internet, dafür einen Himmel, der höher scheint als woanders und ein Boot mit Außenbordmotor. Nicht zu vergessen Hühner, Gänse und Tiger, den Kater. Alles fühlt sich "ganz und gar richtig" an und immer ist etwas zu tun, selbst bei Gummistiefelwetter. Die Kinder haben ihr Matratzenlager auf dem Dachboden. An das Meiste auf dem Land haben sie sich schnell gewöhnt. Nur mit der Haut auf warmer Milch mögen sie sich nicht anfreunden: "Igitt, Oma Inge! Da ist was drauf gewachsen!", ruft Mats einmal erschrocken aus.

"Zurück in Sommerby" heißt die Fortsetzung von "Ein Sommer in Sommerby" und sie verdankt sich, wie Kirsten Boies andere Buchreihen auch, der Leserpost. Eine Menge Kinder wollten wissen, wie es mit Inge und Nachbar Krischan weitergehe und ob die Oma noch einen Hund bekäme. Sie erfahren nun, warum sich Mats dem Bauern als "Hilfsmann" anbietet und freiwillig Kuhmist wegschaufelt. Wieso Martha plötzlich nicht mehr gut auf den Jungen Enes zu sprechen ist, in den sie doch ein bisschen verliebt war. Und endlich verstehen sie, warum Oma Inge immer so unfreundlich zu dem hilfsbereiten Krischan ist. Ein vermeintlich ausgesetzter Hundewelpe sorgt ebenso für Aufregung wie ein rosa Glitzerlesezeichen.

Ein weiteres Mal versucht der fiese Immobilienmakler, sich Inges Paradies mit schmutzigen Tricks unter den Nagel zu reißen. Die Großmutter läuft tatsächlich Gefahr, ihr Zuhause zu verlieren, und damit die Enkel ihr geliebtes Feriendomizil. Martha will das nicht hinnehmen und wird aktiv. Man mag die fürsorgliche große Schwester sehr, die aufmerksam beobachtet und dabei lernt, dass man, selbst wenn einem Schreckliches widerfährt, trotzdem weitermacht oder dass sich begangene Fehler wiedergutmachen lassen.

Inge ist eine gegen den Strich gebürstete Kinderbuch-Oma: Ein Sturkopf, eine oft barsche Frau, die am liebsten alles selbst erledigt, sich schwer mit Berührungen tut und schlecht verzeihen kann. Den Fernseher schimpft sie "Schiet" und auch sonst sagt sie ihre Meinung. Ein Mensch, der sich nicht einschüchtern lässt, darum laufen auch die Machenschaften des Maklers ins Leere.

Die Fans dürfen sich auf ein drittes Sommerby-Abenteuer im Herbst 2021 freuen und auch darüber , dass die Geschichte, die in Norddeutschland spielt, durchsetzt ist mit Plattdeutsch wie "Döz" (Kopf), "Schubjack" (Lump), "Bagaluten" (Kriminelle) oder "rumbölken" (herumschimpfen). (ab 10 Jahre)

Kirsten Boie: Zurück in Sommerby". Mit Vignetten von Verena Körting. Oetinger Verlag, Hamburg 2020. 336 Seiten, 1414 Euro

© SZ vom 20.11.2020
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