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Jubiläum:Mumeln für alle

24 06 2018 Verleihung Göttinger Elch Deutsches Theater Pit Knorr *** 24 06 2018 Presentation of the

Experte für Mumel-Anbau und höheren Blödsinn: der Autor Pit Knorr.

(Foto: Hubert Jelinek/imago)

Der Satiriker und Autor Peter - "Pit" - Knorr hat nicht nur seltsame Sprach- und Fantasiegewächse erfunden und für Otto Waalkes getextet. Er hat auch die "Titanic" mitbegründet. Am kommenden Sonntag feiert er seinen 80. Geburtstag.

Der Mumel-Anbau ist ein schwieriges Gewerbe. Dies zumal, da es diese Pflanze nicht gibt. Der Satiriker und Drehbuchautor Peter - "Pit" - Knorr hat gleichwohl jahrelang alles in seiner Macht Stehende getan, der Mumel zu fröhlicher Verbreitung zu verhelfen. Wer, wenn nicht er, ihr Erfinder, hätte sich des grauslich schmeckenden Pflänzchens annehmen sollen, dem er schon in grauer Vorzeit einen skandalträchtigen Auftritt bescherte: "Des weiteren", zitierte Knorr aus seinem fiktiven Urkundenschatz, "wäre ein Großaufstand im Kloster St. Gallen zu vermelden, wo etliche Mönche dem Abt gedroht, wieder heidnisch zu werden, so noch länger Mumeln als Mahlzeit aufgetischt werden."

Seine Karriere begann Peter Knorr in der Nachkriegszeit im Hessenland, als die Deutschen auch Mumeln gern gegessen hätten, wenn sie denn existent gewesen wären. Der Vater war Ingenieur, die Mutter Lehrerin. Schon an der Universität Heidelberg, wo Knorr Geschichte, Politik und Germanistik studierte, brillierte er in dem Studentenkabarett "Das Bügelbrett". Ein Aufenthalt in den USA, die damals noch als freie Welt galten, komplettierte seine Ausbildung in Sachen Lebenslust.

In der "Neuen Frankfurter Schule" betrieb er die Erhebung alles Ernsthaften zur Ironie

Eine Fügung war es, dass er 1969 Redakteur bei der Satirezeitschrift Pardon wurde, wo er Mitstreiter und Freunde fand. F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Eckart Henscheid, Chlodwig Poth, Hans Traxler, F. K. Waechter und Pit Knorr: Sie alle bildeten die "Neue Frankfurter Schule". Deren Ziele bestehen in der Erniedrigung des Spießertums zur Heiterkeit und der Erhebung alles Ernsthaften zur Ironie. Keiner der Zeichner, Dichter, Kabarettisten, Radiomacher dieser Schule hatte nennenswert viel Ahnung von Betriebswirtschaft. Gleichwohl gründeten sie 1979 Titanic, das laut Untertitel "endgültige Satiremagazin". Nicht zuletzt Pit Knorr ist es zu danken, dass die Zeitschrift ihre Finanzberater bis heute überlebt hat.

Viele Radiosendungen, die Knorr für den Hessischen Rundfunk fabrizierte, erfrischten das Leben der Hessen. Als Weihnachtsgabe unübertroffen ist das Dramolett "Erna, der Baum nadelt", das Knorr zusammen mit Robert Gernhardt und Bernd Eilert verfasste. Es wurde unter dem Ansturm des Erfolgs in zahlreiche deutsche Dialekte übersetzt. Außerdem hätte sich Otto Waalkes ohne seine Texter Eilert und Knorr wohl längst auf einen Leuchtturm im Bayerischen Wald zurückgezogen.

Knorr ist ein begeisterter Boule-Spieler. Alljährlich besucht er ein Weingut an der Mosel, wo es beides gibt: einen Hof, auf dem man spielen kann, und guten Riesling. Wenn er Freunde dorthin mitnimmt, kann es vorkommen, dass er aus dem Autofenster weist und erklärt: Das da könne ein Mumelfeld sein. Das ungeübte Auge mag da bloß einen Kartoffelacker erblicken. Aber so ist das nun mal mit Leuten, die einen weiten Horizont haben. Der von Knorr weitet sich mit jedem Jahr. Am kommenden Sonntag feiert er seinen achtzigsten Geburtstag.